Dänin stirbt, weil Chirurg im Stau festsaß

In einem Krankenhaus in Lüttich ist eine dänische Touristin gestorben, nachdem der Chirurg, der die Frau operieren sollte, im Stau stecken blieb, den Demonstanten auf der E40 verursacht hatten.

Die 74-jährige Frau war am Montagabend in die Klinik Notre-Dame in Hermalle mit einem Aneurysma eingeliefert worden. Der Chirurg, der normalerweise in einer Viertelstunde im Krankenhaus gewesen wäre, hat 45 Minuten wegen des Streiks verloren.

Die Krankenhausdirektion betont, dass das kostbare Zeit gewesen sei, in der die Touristin möglicherweise hätte gerettet werden können. Das Krankenhaus hat deshalb Anzeige wegen nicht vorsätzlichen Todschlags erhoben. Obwohl es sich um eine Anzeige gegen Unbekannt handelt, macht der medizinische Direktor des Hauses, Philippe Olivier, kein Geheimnis daraus, dass er die Demonstranten meint. "Sie haben nicht an die Risiken gedacht, die man eingeht, wenn man eine Autobahn vollständig blockiert."

Sie dürften ja ihre Wut ausdrücken, so Olivier, aber sie dürften nicht andere Leute gefährden.

Die sozialistische Gewerkschaft FGTB fühlt sich nicht angesprochen. Es sei das Krankenhaus, das ein Problem habe, wenn es nicht einmal eine Vertretung für den Arzt habe und nicht wir, sagt der Vorsitzende Francis Gomez.

FGTB bedauert Tod der Dänin

Die französischsprachige sozialistische Gewerkschaft FGTB hat der Familie der am Montag in Lüttich verstorbenen Dänin jedoch inzwischen ihr Beileid ausgedrückt und betont, dass die Aktion niemandem habe schaden wollen. "Ziel der Aktionen ist keinesfalls Zorn oder der Wille, anderen zu schaden, im Gegenteil." Die Gewerkschaft unterstrich noch einmal, dass die Demonstranten mehr soziale Gerechtigkeit forderten.