Nie wieder Straßenblockaden!

Die Spitze der französischsprachigen sozialistischen Gewerkschaft FGTB will, dass die Gewerkschaftsmitglieder keine Straßenblockaden mehr auf Autobahnen errichten. Die Gewerkschaft werde solche Aktionen nicht mehr unterstützen, heißt es dort. Den französischsprachigen Medien zufolge hat es am Montag ein zweites Todesopfer infolge der Streiks gegeben.

Laut der Zeitung La Meuse habe ein Mann am Montag einen Herzinfarkt erlitten, während er in dem von Demonstranten verursachten Stau auf der E25 unweit von Lüttich festsaß.

Dort hatten Gewerkschafter der FGTB die Fahrbahn blockiert und die Rettungsdienste konnten den Mann nur schwer erreichen. Der Mann starb später im Krankenhaus. Die FGTB hat der Familie des Mannes inzwischen ihr "tiefstes Beileid" ausgedrückt.

Der Mann ist das zweite Todesopfer, das den Blockaden der Gewerkschafter zugeschrieben wird.

Anfang der Woche erhob ein Krankenhaus in Lüttich bereits Anzeige gegen Unbekannt wegen nicht vorsätzlichen Todschlags, nachdem eine Patientin an einem Aneurysma starb. Dem Krankenhaus zufolge hätte die Frau mehr Chancen gehabt, gerettet zu werden, wenn der diensthabende Bereitschaftschirurg nicht im Stau festgesessen hätte. Der Stau war durch die Gewerkschaftsaktion verursacht worden.

Zunächst hatte die FGTB vor Ort jegliche Verantwortung des ersten Sterbefalls von sich gewiesen. Später hat der FGTB-Chef Francis Gomez wissen lassen, dass die Gewerkschaft doch über bestimmte Aktionen werde nachdenken müssen. Die internen Regeln wurden daraufhin abgeändert.

Falls das Leben einer Person durch eine Aktion bedroht wird, kann sich das Sekretariat eines Gewerkschaftszweiges der Aktion künftig entgegenstellen. Dies gilt auch im Falle von Vandalismus oder wenn das Image der Gewerkschaft geschädigt werden könnte.

Dieser neuen Regelung hat sich auch der allgemeine Vorsitzende der FGTB, Marc Goblet, angeschlossen. Ihm zufolge werde es in Zukunft keine Blockaden mehr auf Autobahnen geben. "Ich werde die Aktionen und die Arbeitnehmer nicht verurteilen. Es ist jedoch klar, dass, wenn Aktionen wie Straßenblockaden nicht mehr von der Gewerkschaft befürwortet werden, es auch keine Blockaden mehr geben wird", unterstreicht er in der Zeitung La Meuse.