Brüssel: Flüchtlinge schlafen auf der Straße

In der Nacht zum Mittwoch haben wieder dutzende Flüchtlinge die Nacht in Brüssel auf der Straße verbracht. Alle Betten für anerkannte Asylanwärter im Aufnahmelager WTC III in der Nähe des Ausländeramtes im Brüsseler Nordviertel waren belegt. Das ist das erste Mal seit der Eröffnung des WTC-Turms als erstinstanzliches Auffangzentrum, dass Flüchtlinge kein Dach über dem Kopf hatten.

Seit einigen Wochen fungiert der leerstehende Bereich III des WTC-Büroturms in der Nähe des Brüsseler Nordbahnhofs als erstinstanzliches Aufnahmezentrum für Asylbewerber, deren Antrag bearbeitet wird. Dort stehen rund 500 Betten zur Verfügung, doch in den letzten Tagen hat der Zustrom an Flüchtlingen offenbar wieder zugenommen. Das war besonders am vergangenen Wochenende zu spüren.

Jetzt, in der Nacht zum Mittwoch, waren alle Betten im WTC III belegt und etwa 80 junge Männer wurden gebeten, sich anderswo umzusehen. 20 von ihnen haben die Nacht tatsächlich unter einem Berg von Decken, die ihnen vom Roten Kreuz zur Verfügung gestellt worden waren, vor dem WTC-Turm verbracht.

In einem solchen Fall bietet das Ausländeramt in erster Linie Familien mit Kindern, Kranken oder alten Menschen ein Bett im WTC-Turm. Die Behörde und das Rote Kreuz, dass das Aufnahmezentrum verwaltet, halten die Situation in den kommenden Tagen im Auge. Doch die Bereitstellung von zusätzlichen Aufnahmemöglichkeiten für neu im Land ankommende Flüchtlinge liegt in den Händen der belgischen Bundesregierung, die dazu die alleinige Entscheidungsbefugnis hat.

Kein Ende in Sicht?

Doch offenbar geht das Drama weiter, denn am Mittwochmorgen meldeten sich wieder rund 500 Flüchtlinge und Asylsucher vor dem Ausländeramt. Und in einem Kühllastwagen aus Spanien, der einen Supermarkt in Halle bei Brüssel (Flämisch-Brabant) mit Mandarinen beliefern wollte, wurden am Morgen 19 Flüchtlinge angetroffen. Dabei handelte es sich um Syrer, Iraker und um einen Iraner. Die Betroffenen wurden ins Polizeipräsidium von Halle gebracht.