Doel 3 und Tihange 2 bald wieder hochgefahren?

Die Atomaufsichtsbehörde des belgischen Staates, FANC, hat grünes Licht für das Hochfahren der Kernreaktoren Doel 3 und Tihange 2 gegeben. Diese Reaktoren waren nach der Entdeckung von Haarrissen in den stählernen Reaktorummantelungen 2012 abgeschaltet worden. Doch laut FANC konnte Kraftwerksbetreiber Electrabel die Sicherheit der Anlagen glaubhaft machen.

Die Haarrisse in der Reaktorummantelung von Doel 3 im gleichnamigen Atomkraftwerk bei Antwerpen und von Tihange 2 im ebenfalls gleichnamigen Atomkraftwerk bei Huy in der Nähe von Lüttich (Foto oben) stellen laut der Analyse von internationalen Atomexperten „die Reaktorsicherheit nicht in inakzeptabler Weise in Frage“, so eine Sprecherin der staatlichen belgischen Atomaufsichtsbehörde FANC nach der Meldung, dass grünes Licht für das Wiederhochfahren gegeben wurde.

Die beiden Reaktoren waren im Sommer 2012 nach der Entdeckung tausender Haarrisse in den stählernen Ummantelungen der Anlagen abgeschaltet worden. Nach jahrelanger Analyse soll jetzt aber feststehen, dass es sich bei dem Problem nicht wirklich um Haarrisse handelt sondern um Wasserstoffblasen, die bei der Herstellung der Anlage, bzw. beim Guss der Ummantelungen entstanden seien. Die Stahlbauteile für die Reaktoren Doel 3 und Tihange 2 sind in den 1970er Jahren in einem mittlerweile in Konkurs gegangenen niederländischen Stahlwerk hergestellt worden.

Bedenken, nach denen der Verschleiß des Materials durch die problematischen Stellen im Stahl rascher vor sich gehen würde, haben die Wissenschaftler und die Mitarbeiter der Aufsichtsbehörde FANC nicht und Kraftwerksbetreiber Electrabel geht davon aus, die beiden Meiler ab Mitte Dezember wieder ans Netz gehen können.

Probleme vom Tisch?

Damit wären auch die befürchteten Stromengpässe in Belgien vom Tisch und auf die geplante Laufzeitverlängerung von fast 40 Jahre alten Reaktoren in Doel und Tihange könnte verzichtet werden. Doch Doel 3 und Tihange 2 erreichen 2022 bzw. 2023 ihre Laufzeit und müssen dann nach der heute geltenden Gesetzeslage von Netz genommen werden.

Kritiker werfen den analysierenden Wissenschaftlern und der belgischen Atomaufsichtsbehörde vor, nicht nachweisen zu können, ob die eigentliche Sicherheit der Meiler mit Schäden und ohne Schäden in der Reaktorummantelung tatsächlich die gleiche sei. Das Anti-Atomkraft-Netzwerk „Nucléaire Stop“ will alle zur Verfügung stehenden Mittel ergreifen, um eine nukleare Katastrophe zu vermeiden und geht gerichtlich gegen den Vorgang vor.