Belgien will nicht länger der Sündenbock sein

Nach den Terroranschlägen von Paris am vergangenen Freitag sind alle Augen international auch auf Belgien gerichtet, denn einige der Attentäter kamen aus Belgien und offenbar wurden die Anschläge auch von hier aus geplant. Doch das bedeutet nicht, dass Belgien hier der Schuldige sein muss, wie aus Politik und Gesellschaft zu spüren ist. Auch das Brüsseler „Problemviertel“ Molenbeek wehrt sich gegen das schlechte Image.
Nicolas Maeterlinck

Diplomatische und politische Kreise aus dem Brüsseler Regierungsviertel (Foto oben) haben zum Beispiel Frankreich wissen lassen, dass man den „Mangel an Loyalität und an Fair Play“ von dort aus nicht unbedingt in Ordnung findet. Aus Frankreich kommt seit Freitag einiges an Kritik gegenüber Belgien und auch die Verweise und Fingerzeige von höchster Stelle kommen hier nicht gut an. Ein früherer Direktor eines französischen Nachrichtendienstes hatte schwere Vorwürfe gegen Belgien erhoben und in einer Rede vor dem französischen Kongress sagte Staatspräsident François Hollande, dass die Anschläge „in Syrien bedacht und geplant wurden und in Belgien organisiert.“

Die Regierung verweist in ihrer Replik auf die Tatsache, dass die Geheim- und Nachrichtendienste Belgiens und Frankreichs im Kampf gegen den internationalen Terror schon lange eng kooperieren und dass die Aktion im Pariser Stadtteil Saint-Denis eine Folge von Ermittlungstippe aus unserem Land seien.

International aber auch national wird auch der Brüsseler Stadtteil Molenbeek als Zentrum des Terrors gebrandmarkt, weil einige der Attentäter von Paris von dort stammen. Gegen diesen schlechten Ruf wehr sich Brüssel im Allgemeinen und Molenbeek im Besonderen. Am Donnerstag richteten 60 Mütter aus dem „Problemviertel“ einen offenen Brief an den belgischen Innenminister Jan Jambon (N-VA) in dem sie ihn bitten, damit aufzuhören, „Molenbeek und seine Bewohner nicht zu den Sündenböcken für alles zu machen, was in Belgien falschläuft.“ Die 60 Autorinnen gehören zum Frauenkreis Dar Al Amal des Integrationszentrums Foyer in Molenbeek.

In ihren offenen Brief schreiben die besorgten moslemischen Mütter Folgendes: „Wir haben unseren Kindern früher schon, und wir tun das noch heute, demokratische Werte vermittelt, die uns und ihnen teuer sind. Wir bringen unseren Kindern Respekt für die Gesellschaft, in der sie aufwachsen, bei und sagen ihnen, dass sie tolerant sein sollen.“ In einem dringenden Appell geht der offene weiter: „Wir haben den Eindruck, dass wir, außerhalb von Molenbeek, als eine besondere Rasse angesehen werden. Glauben sie uns, das ist nicht der Fall.“