Brüssel: Wartende Flüchtlinge nachts in Not

Die Zahl der in Brüssel angekommenen Flüchtlinge und Asylsucher, die sich tage- und nächtelang ohne offizielle Aufnahme durchschlagen müssen, bevor sie ihre Anträge stellen können, wird wieder größer. Viele von ihnen schlafen unter freiem Himmel vor dem Ausländeramt in der Hauptstadt, andere finden ein Dach über dem Kopf in einer Kirche.

Derzeit dürfen die Mitarbeiter der belgischen Ausländerbehörde in der Nähe des Brüsseler Nordbahnhofs täglich nur 150 neue Asylanträge annehmen. Der Grund dafür liegt am akuten Mangel an offiziellen Aufnahmeplätzen. Das in der Nähe liegende Aufnahmezentrum im WTC-III-Turm ist seit Tagen voll besetzt. Das führt allerdings dazu, dass viele Flüchtlinge und Asylsucher sich selbst überlassen werden. Sie verbringen die Nächste unter freiem Himmel oder finden Unterschlupf in der einen oder anderen Kirche.

In der Nacht zum Freitag haben viele der Betroffenen die Nacht vor dem Ausländeramt zugebracht (Foto oben), weil sie am Morgen schon früh an der Reihe sein wollten, um ihre Asylanträge stellen zu können. Nach Beobachtungen von VRT-Journalisten waren darunter bei weitem nicht nur Männer, sondern auch Frauen und vereinzelt Kinder.

80 bis 100 Flüchtlinge finden seit September Nachts ein Unterkommen in der Sankt-Rochus-Kirche in der Nähe des Brüsseler Nordbahnhofs (kl. Foto). In der Nacht zum Freitag konnten 108 Schutzsuchende dort ein Dach über dem Kopf finden. Die ungenutzte Kirche wird von einer Nachbarschaftsinitiative verwaltet und bietet nur Männern Unterschlupf. Frauen und Kinder werden vom Roten Kreuz aufgefangen.

Die Kirche öffnet abends gegen 20 Uhr ihre Tore und empfängt die Flüchtlinge mit heißen Getränken und Broten. Am anderen Morgen müssen die Aufgenommenen die Kirche wieder verlassen. Neben der Sankt-Rochus-Kirche gibt es ähnliche Initiativen im Pfarrsaal der Saint-Cézanne-Kirche und in einem Raum an der Metrostation Jacques Brel.