Spritztour durch Fördergelder in Brüssel

Aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) flossen im Zeitraum von 2007 bis 2013 in der Region Brüssel Hauptstadt in Belgien 57 Mio. Euro in 32 Projekte. Im Förderzeitraum 2014-2020 ist EFRE mit 87,5 Mio. Euro an bislang 46 genehmigten Projekten in Brüssel beteiligt. Doch um welche Projekte handelt es sich konkret? Bei der Großveranstaltung Open Days in Brüssel im Oktober, einer Art Tag der offenen Tür, der jährlich u.a. vom Ausschuss der Regionen veranstaltet wird, wurden Stadtplanern und Medienvertretern zwei Projekte vorgestellt. Wir nahmen an der "Werbefahrt" durch Brüssel teil.

Die Brüsseler Kanalzone, eingeklemmt zwischen hohen Wolkenkratzern und Bürogebäuden auf der einen Seite und heruntergekommenen, ausladenden Häuserreihen sowie brach liegendem Industriegelände auf der anderen, galt lange Zeit als No-go-Area.

Traurig, grau, Nieselwetter und für eine Vorzeigetour an diesem Herbstmorgen eigentlich völlig ungeeignet, schaukelt ein Reisebus mit zahlreichen internationalen Journalisten, Stadtplanern und Vertretern des Ausschusses der Regionen durch den Stadtteil Anderlecht in Richtung Schlachthaus.

Das befindet sich mitten in der Kanalzone.

Mit 114 Millionen Euro sind im Zeitraum von 2007 bis 2013 genau 32 Projekte zur Wiederbelebung solcher Zonen in der belgischen Hauptstadt gefördert worden. Davon kamen 57 Mio. aus Europa und eine ähnliche Summe aus der Region Brüssel Hauptstadt. Daneben beteiligten sich natürlich weitere Partner finanziell an den Projekten, zum Beispiel Kommunen und öffentliche und private Institutionen.

Die Wirtschaftsaktivitäten in der Zone sollten angekurbelt, ihr Image verbessert, in die Infrastruktur vor Ort investiert und das Ganze am besten auch noch mit dem Umweltsektor verknüpft werden.

Im Programm 2014 - 2020 werden in diesem Zusammenhang knapp 175 Millionen Euro Fördergelder unter 46 ausgewählten und bereits genehmigten Projekten sowie einem transversalen Projekt zur Beseitigung der Umweltverschmutzung und einem zur technischen Unterstützung verteilt, erklärt eine Mitarbeiterin der Regierung der Region Brüssel Hauptstadt.

Auf dem "Beipackzettel", der im Bus als Begleitmaterial zu dieser Reise verteilt wird, steht geschrieben, dass innovative Projekte, die die Entwicklung der kleinen und mittleren Unternehmen in vielversprechenden Industrien fördern, Priorität hätten. Das gleiche gelte für Projekte, die die Kreislaufwirtschaft betreffen und die Lebensqualität benachteiligter Anwohner verbesserten.

Gemüse bis aufs Dach

Eines der geförderten Projekte, das im Programm 2014-20 aufgenommen ist, ist "Abattoir" (auf Deutsch: "Schlachthaus").

Bei dem Projekt müssen Investitionen von 15,5 Millionen Euro getätigt werden, wobei 7,4 Millionen Euro aus dem EFRE (dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung) stammen. Das Projekt besteht gleich aus mehreren Einzelprojekten, darunter auch FOODMET, ein überdachter Lebensmittelmarkt mit langer Fleischtheke und Obst- und Gemüseständen nach dem Vorbild von La Rambla in Barcelona. FOODMET öffnete im Mai dieses Jahres erstmals seine Türen.

Auch eine "Urban Farm" ist geplant, die auf dem Dach der Lebensmittelhalle entstehen und auf 4.000 m² Gemüse und Kräuter, sowohl in Gewächshäusern als auch unter freiem Himmel, hervorbringen soll. Das Gemüse könne wiederum direkt auf dem Markt verkauft werden, erklärt der Abattoir-Sprecher Paul Thielemans, der die Pressevertreter und Stadtplaner durch den Keller des alten Schlachthauses und auf das Dach der Lebensmittelhalle führt.

Man habe Anfang Oktober einen Vertrag mit dem Betreiber über die Vermietung des Daches für 2016 geschlossen, kündigt Thielemans noch an. Die erste Ernte auf dem Dach könne wohl im Herbst 2016 erfolgen. Außerdem, fährt er fort, werde die alte Markthalle, die unter Denkmalschutz steht, renoviert und würden hier soziokulturelle Aktivitäten durchgeführt. Ziel sei nämlich eine bessere Integration des gesamten Geländes in die multikulturelle Nachbarschaft.

Kosten und Kaufen

"Was die Händler am Sonntagnachmittag nicht verkaufen, geben sie uns und wir teilen das dann mit den Leuten. Einige Bürger vor Ort sind von diesen Nahrungsmitteln abhängig", betont Eva De Baerdemaeker von Clutureghem, einer Vereinigung, die für die soziokulturellen Aktivitäten auf dem Gelände zuständig ist.

"Mobile Küchen für die Kinder, um mit ihnen gemeinsam zu kochen" ist eine solche Aktivität. "Die gleichen Familien gehen hier einkaufen oder ins Restaurant", ergänzt De Baerdemaeker noch.

Ein oder zwei Restaurants sind tatsächlich auch vorgesehen, allerdings fehlen noch die Pächter. Überhaupt mangele es im FOODMET ein wenig an Produktvielfalt. Zwar sei nur ein einziger Stand in der Markthalle nicht vermietet, es gebe aber ein Überangebot an Obst und Gemüse und deshalb befürchte man hier, dass sich nicht alle Stände halten werden.

So fehle ein Stand mit südeuropäischer Feinkost, mit spanischen, italienischen oder griechischen hausgemachten Produkten und natürlich ein Schokoladenstand.

"Mehr Kosten und Kaufen" ist die Devise. Damit will man künftig noch mehr überzeugen. Außerdem sind auf dem Gelände für 2018 zahlreiche Parkplätze geplant, denn allein vom Konsum des lokalen Publikums kann man wohl kaum leben.

Bunte Boxen

Weiter geht die Reise in bunte Boxen in den so genannten Paepsem Business Park, ebenfalls im Brüsseler Viertel Anderlecht. Der Park ist seit Februar 2014 in Betrieb. Ziel des Projekts ist die Förderung räumlicher Wettbewerbsfähigkeit und die Schaffung von Wirtschaftsaktivitäten.

Die einem Würfel oder einer Schuhschachtel ähnlichen Gebäude sind teilweise mit Kühlräumen für die Lagerung ausgestattet, zum Beispiel für die Firma efarmz.be, bei der man sein Biogemüse und sein Biojoghurt online bestellen kann und nach Hause geliefert bekommt.

Die je nach Bedarf der Firmen anpassungsfähigen, energiesparsamen Boxen sind für kleine und mittlere Betriebe konzipiert und ideal als Werkstatt für lokale Start-ups, zum Beispiel für die Designfirma PJ Mares.

Das Projekt des Business Parks wird wie das "Abattoir"-Projekt auch mit Geldern aus dem EFRE gefördert und es zeigt Erfolg.

Innerhalb von 10 Monaten sei die gesamte Fläche von über 5.500 m², die in 16 Module von 250 bis 500 m² aufgeteilt ist, vermietet worden, heißt es bei den Verantwortlichen des Parks stolz.

Und mit den Worten "Wir sind hier, um Jobs zu schaffen" rühren sie fleißig die Werbetrommel für ihr Projekt.

EFRE

Der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) ist das EU-Instrument zur Stärkung des wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalts in der EU. Er sorgt für den Abbau von Ungleichheiten zwischen den verschiedenen Regionen.

Die Maßnahmen des EFRE zielen darauf ab, die wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Probleme in städtischen Gebieten zu verringern. Besonderer Wert wird auf eine nachhaltige Stadtentwicklung gelegt.

*Die Zahlen im Artikel wurden gerundet.

Altes Foto "Abattoir"

Überdachter Lebensmittelmarkt nach dem Vorbild von La Rambla in Barcelona