Höchste Terrorwarnstufe für Region Brüssel

Wegen einer "unmittelbaren und sehr ernsten Bedrohung" hat die belgische Regierung in der Nacht die höchste Terrorwarnstufe für die Hauptstadt-Region Brüssel verhängt. Alle Metrostrationen in Brüssel bleiben am Samstag geschlossen. Der Bevölkerung wird geraten, Orte zu meiden, an denen viele Menschen zusammenkommen.

Gegen 2 Uhr in der Nacht hat das Krisenzentrum der belgischen Regierung die Terrorwarnung für die Hauptstadt-Region auf Stufe 4 verschärft.

Zu den konkreten Gründen, die eine solche Maßnahme veranlasst haben, äußerte sich Premierminister Charles Michel in einer Pressekonferenz am Samstagmorgen. Im Interesse der Sicherheit und Untersuchung gab Michel keine genauen Hintergründe bekannt.

Brüssel ist am Samstagmorgen unter einer konkreten Terrordrohung  erwacht.

Im Zentrum, an den Bahnhöfen, im Regierungs- und Europa-Viertel patrouillieren Militärs in Jeeps. Soldaten und Polizisten, das Gewehr im Anschlag, stehen an Kreuzungen und vor Botschaften. Sirenen schrillen durch den regnerischen, kalten Morgen. Die Metrostationen bleiben den ganzen Tag geschlossen. Alle Großveranstaltungen wurden abgesagt.

Die Einwohner sind aufgefordert, Orte zu meiden, an denen viele Menschen zusammenkommen, und erhöhte Wachsamkeit zu zeigen.

Auch in Vilvoorde höchste Warnstufe

Nach den blutigen Anschlägen von Paris war die Terroralarmstufe zunächst auf 3 angehoben worden. Die Spur der Attentäter hatte nach Belgien und Brüssel geführt.

Als einzige andere Stadt in Belgien hat auch Vilvoorde, im Westen von Brüssel, die Alarmstufe auf 4 erhöht. Auf eigene Initiative und in Übereinstimmung mit dem Polizeichef hat Bürgermeister Hans Bonte alle öffentlichen Veranstaltungen abgesagt.

Die Gemeinde hatte in der jüngsten Zeit mit einer Radikalisierungswelle unter den muslimischen Jugendlichen  zu kämpfen. Obwohl diese Entwicklung unter Kontrolle zu sein scheint, hielt Bonte, da "Brüssel und Vilvoorde nur einen Zentimeter trennt", diese Verschärfung für notwendig.

KOBA entscheidet über Warnstufe

Die Terrorwarnstufe 4 in Belgien ist eine Ausnahme. Das letzte Mal, dass dieses Gefahrenniveau in Brüssel drohte, war 2007, als die Fluchtpläne des Terroristen Nizar Trabelsi bekannt wurden.

Aber auch nach dem Anschlag auf das jüdische Museum in Brüssel, voriges Jahr, rief das Koordinationsorgan für die Bedrohungsanalyse KOBA die höchste Terrorwarnstufe für alle jüdischen Vertretungen aus. Der Franzose Mehdi Nemmouche (Foto) hatte bei dem Anschlag auf das Museum vier Menschen getötet.

Das KOBA, ein Koordinationsorgan aus u. a. Innenministerium, Justiz und Verteidigung, beschließt über die Terrorwarnstufe in Belgien. Ein solcher Beschluss wird nie mit Einzelheiten begründet.