Zentrum für betreutes Wohnen verweigert Euthanasie und steht vor Gericht

Ein Zentrum für betreutes Wohnen in Diest (Flämisch-Brabant) muss in Kürze vor Gericht, weil es vor einigen Jahren einer unheilbar kranken Bewohnerin im Endstadium Euthanasie verweigerte. Der Hausarzt, der die Euthanasie durchführen sollte, wurde nicht hereingelassen, so die Anwältin der Familie, Sylvie Tack.

"Es hat einige Zeit gedauert, bevor wir diesen Schritt gemacht und doch noch eine Rechtssache angestrebt haben, denn wir fanden das eigentlich doch sehr wichtig", erklärte die Anwältin in der VRT an diesem Samstag. 

"Unserer Meinung nach, hat eine eindeutige Euthanasiebitte vorgelrgen, die in den Anwendungsbereich des Gesetzes fiel." Zwei Tage vor der geplanten Ausführung der Euthanasie, für die der eigene Hausarzt hätte verantwortlich sein sollen, habe sich das Altenheim dagegen gestellt und schließlich habe der Hausarzt selbst die Initiative ergriffen und die Frau in aller Eile und im letzten Moment zum Haus ihrer Tochter gebracht, wo die Euthanasie dann stattgefunden habe, so die Anwältin.

Die Familie argumentiert auch, dass sich die Frau und ihre Familie zwei Mal auf den Abschied hätten vorbereiten müssen, was sehr schmerzlich gewesen sei. Man habe sich bereits ein Mal in der Pflegeeinrichtung verabschiedet, die dann die Euthanasie verweigerte. Danach habe man sich noch einmal auf den Abschied von der Frau vorbereiten müssen, um die Euthanasie später im Haus der Tochter durchführen zu lassen. Man wolle mit der Klage vermeiden, dass andere Familien das gleiche durchmachen müssten, so Angehörige der Verstorbenen. Die Frau hatte Krebs im Endstadium und habe sehr viel Angst gehabt, stark leiden zu müssen.

Es ist der erste Fall, der wegen Verweigerung von Euthanasie vor Gericht in Belgien kommt.

Vor einige Tagen sorgte der neue Erzbischof De Kesel noch wegen seiner Äußerung, dass katholische Pflegeeinrichtungen das Recht hätten, Euthanasie zu verweigern, für jede Menge Aufhebens.

Peter Degadt von Zorgnet Vlaanderen, dem Dachverband der katholischen Pflegeeinrichtungen, will sich nicht zu dieser Sache äußern. Er kann sich aber vorstellen, was die Direktion hierzu motiviert habe.

"Ich kann wohl sagen, dass von unserer Organisation aus keine Anweisungen in die eine oder andere Richtung vorgegeben werden." Er könne sich aber vorstellen, dass die Direktion vielleicht wegen der Ruhe im Hause diese Entscheidung getroffen habe. Man wohne dort auf engem Raum zusammen. Man sei vielleicht davon ausgegangen, dass es besser sei, diese Handlung zu Hause oder in einem Krankenhaus durchzuführen.

"Für alles andere müssen wir jedoch das Verfahren abwarten", so Degadt noch.