Zweitägiger Bahnstreik in Belgien

Seit Dienstagabend, 22 Uhr, sorgt ein Streik eines Teils der Eisenbahner für große Probleme im Bahnverkehr. Die Gewerkschaften im Süden des Landes, sprich im frankophonen Landesteil Belgiens, protestieren damit gegen Reform- und Modernisierungspläne der Bahn und der belgischen Mitte-Rechts-Regierung. Der Streik dauert bis Donnerstagabend, 22 Uhr.

In Wallonien und in weiten Teilen Brüssels fahren seit Dienstagabend so gut, wie gar keine Züge. In Flandern ist der Verkehr im Inneren des Bundeslandes kaum beeinträchtigt, doch auf Strecken, die flämische und wallonische Städte verbinden, wie z.B. die Verbindung Antwerpen-Charleroi, fallen ebenfalls viele Züge aus.

Zudem ist der internationale Bahnverkehr schwer gestört. Das betrifft die Bahnstrecken nach Frankreich, in die Niederlande und nach England erheblich und natürlich auch die Verbindungen nach Deutschland. Hier fallen bis Donnerstagabend alle Thalys- oder ICE-Züge aus. Beide Bahngesellschaften setzen Busse zwischen Aachen und Brüssel ein.

Inzwischen sorgt dieser Streik für politische Diskussionen. Die flämischen Nationaldemokraten N-VA fordern die Spaltung der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB in Landesgesellschaften, liberale Kräfte stellen das Streikrecht in Frage und die Gewerkschaften sind tief gespalten, denn während die frankophonen Kollegen die Arbeit niederlegen, setzen die flämischen Eisenbahner auf Verhandlungen mit Bahn und Regierung.

Streik auf vielen Ebenen umstritten

Der nach Studentenprotesten verschobene Drei-Tages-Streik zur Klausurzeit Ende Januar, soll im Februar nachgeholt werden, wie die frankophonen Eisenbahner ankündigten. Auf flämischer Ebene wird demnach nicht gestreikt, doch die Arbeitsniederlegungen in Wallonien und in der Region Brüssel-Hauptstadt werden in Bahnangebot im Bundesland Flandern durchaus fühlbar sein.

Die Eisenbahner wollen mit ihren drastischen und in weiten Teilen von Belgiens Gesellschaft und Politik heftig umstrittenen Streiks gegen das Vorhaben der Bahn-Direktion protestieren, die Produktivität der Eisenbahn zu erhöhen. Dies allerdings beinhaltet den Verzicht auf Urlaubs- und Ruhetage und verlängerte Arbeitszeiten ohne entsprechenden Lohnausgleich. Das bedeutet z.B., dass die Eisenbahner im Jahr 170 Tage lang arbeiten müssen statt an 160 Tagen, wie bisher.

Ein weiteres Problem für die Eisenbahner ist der latente Arbeitsplatzabbau bei der Bahn und die damit abnehmende Dienstleistung. Zudem sollen weitere kleinere Bahnhöfe geschlossen werden und vielerorts ersetzen Fahrkartenautomaten die Schalter in den Stationen. Dies kritisieren auch die Fahrgastverbände, doch mit massiven Bahnstreiks, die diesem hier, sind sie nicht einverstanden. Der Schulterschluss zwischen den Eisenbahnern und den Bahnpendlern und -reisenden bleibt weiter aus.