Kurse im Umgang mit Frauen werden Pflicht für Asylbewerber

In allen Asylbewerberheimen in Belgien werden Kurse "zum Umgang mit Frauen" eingeführt. Der Staatssekretär für Asyl und Migration, Theo Francken (N-VA), will, dass die Kurse verpflichtend sind. Ihm zufolge seien diese Kurse dringend notwendig, denn der Zustrom von alleinstehenden jungen Männern sei sehr hoch. "Sie kommen aus einer Kultur, die ganz anders mit Frauen umgeht als wir im Westen", so Francken in unserem Sender VRT.

In den Kursen werden den Asylbewerbern die Grundprinzipien im Umgang mit Frauen hierzulande erklärt. "Es handelt sich um Grundregeln im Allgemeinen und sexuellen Umgang mit Frauen in der westlichen Welt", erklärte Francken.

"Es geht um die Tatsache, dass es normal ist, dass Frauen hier arbeiten und wählen gehen. Es wird aber auch darauf eingegangen, dass Frauen hier in kurzen Kleidern auf der Straße herumlaufen können und dass man Frauen nicht so einfach anfassen darf."

Der Kurs richtet sich vor allem an Männer. Doch auch Frauen soll klar gemacht werden, welche Rechte sie in Belgien haben.

"Keinen Millimeter unserer Grundwerte abstehen"

Ganz neu ist ein solcher Kurs nicht. Im Asylbewerberheim in Kapellen (Provinz Antwerpen) folgen Asylbewerber bereits einem Kurs in Sachen "wie behandele ich Frauen hierzulande". Der Staassekretär hält es aber für besonders wichtig, dass diese Kurse ausgeweitet werden.

"Es kommen nämlich sehr viele alleinstehende junge Männer hierher. Sie kommen häufig aus einer Kultur, in der Männer und Frauen streng getrennt sind und in der zwischen den Geschlechtern kaum Kontakt besteht. Hier ist das viel lockerer und es herrscht absolute Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen. Das ist völlig neu für sie und es ist sehr wichtig, dass sie dies respektieren. Wir werden keinen Millimeter davon abstehen."

Francken zufolge würden diese Kurse nicht plötzlich nach den Zwischenfällen von Köln vorgelegt. "Erstens ist nicht deutlich, ob es sich dabei um Asylbewerber handelte. Außerdem sind wir damit schon seit einer ganzen Weile beschäftigt. So stehen auch schon einige Sätze über den Umgang mit Frauen in der Charta, die Asylbewerber unterschreiben müssen, wenn sie in ein Asylbewerberheim kommen."

"Stärker für Werte unseres demokratischen Rechtsstaates eintreten"

Auf die Frage, ob solch ein Grundkurs überhaupt etwas an eingefleischten kulturellen Wertvorstellungen verändern könne, antwortete der Staatssekretär: "Irgendwo muss man ja anfangen."

"Man muss so etwas von Anfang an deutlich machen."

"Die Rechte von Frauen stehen auch in Menschenrechtsverträgen, aber wer liest das und wie kann man erwarten, dass Asylbewerber das wissen, wenn sie hier ankommen? Es handelt sich oft um wenig ausgebildete Menschen, auch Analphabeten und dann muss man ihnen auf alle möglichen Art und Weisen unsere Prinzipien deutlich machen. Ich finde, dass wir viel stärker für die grundlegenden Werte unseres demokratischen Rechtsstaates eintreten müssen", so Theo Francken noch.

Der Pflichtkurs stigmatisiert keinesfalls bestimmte Menschen, versicherte Francken in der VRT. "Das ist nicht das Ziel, aber es hat natürlich Zwischenfälle gegeben. Ich habe erst gestern einen Afghanen nach einer sexuellen Belästigung eines 11-jährigen Mädchens abgeschoben. Das kommt nicht täglich vor, aber zu behaupten, dass es keine Zwischenfälle gibt, wäre, die Wahrheit zu missachten."