Französische Mutter von Terroropfer in Paris will Belgien verklagen

Die Mutter eines der Opfer der Anschläge von Paris, will den belgischen Staat verklagen. Die Regierung hätte noch vor den Anschlägen einschreiten können und habe deshalb fahrlässig gehandelt, sagt die Frau.

Am 13. November 2015 wurde der Sohn von Nadine Ribert Reinhart im Bataclan in Paris erschossen. Insgesamt hat es an dem Abend 130 Tote gegeben. Schon bald führten mehrere Spuren nach Belgien. Verschiedene Täter hatten im Brüsseler Stadtteil Molenbeek gelebt oder die belgische Staatsangehörigkeit.

In einem Interview mit dem französischen Sender BFM tv fragt sich Nadine nun, warum die Täter nicht lange vor den Anschlägen festgenommen wurden. "Entschuldigen Sie, aber hätte man sie nicht schon vorher festnehmen können?"

Sie will Belgien wegen Fahrlässigkeit verklagen. Allerdings werde der Nachweis, dass Belgien effektiv Fehler gemacht habe nicht einfach, betonte der Strafverteidiger Johan Platteau im VRT-Radio an diesem Dienstagmorgen: "Man muss beweisen, dass der belgische Staat über diese Information im Bilde war und nicht mehr unternommen hat. Das erscheint mir nicht so einfach, weil die Beweislast bei der Mutter liegt."

Trotzdem ist die Mutter fest entschlossen, diesen juristischen Schritt zu machen. "Ich werde fordern, sich gegen Belgien zu stellen, denn das nennt man Untätigkeit. Ich werde Klage erheben!", so die Frau noch.

Es geschehe häufiger, dass ein Staat wegen Fahrlässigkeit angeklagt werde, meint der Anwalt Joris Vercraeye: "Beispiele gibt es genug. Es wird viel darüber veröffentlicht. Einst wurde auch ein Prozess im Rahmen der Dutrouxaffaire geführt. Es waren Fehler bei den Ermittlungsverfahren und bei der Recherche aufgetreten. Man warf der Regierung Schlampigkeit vor. Der Richter urteilte  schließlich, dass die Beweise für Fahrlässigkeit oder fehlerhaftes Vorgehen der Regierung unzureichend seien."