Alternativen für die Brüsseler Straßentunnel?

Rudi Vervoort (PS - kl. Foto), der Ministerpräsident der Region Brüssel-Hauptstadt, ist der Ansicht, dass einige Verkehrstunnel in der Hauptstadt dringend renoviert werden müssen. Langfristig, so Vervoort, müsse man aber auch über Alternativen für die unterhaltsaufwändigen Tunnel nachdenken.

In den vergangenen Tagen und Wochen sorgten die Schäden in der Tunneldecke des Stefania-Tunnels am Brüsseler Innenstadtring für Verkehrsprobleme und für hitzige politische Diskussionen. Ende der vergangenen Woche wurde überdies bekannt, dass der Stefania-Tunnel mindestens ein Jahr lang gesperrt bleiben soll, weil sich die Reparaturarbeiten hier als besonders komplex darstellen.

Ende 2015 habe man innerhalb der Brüsseler Regionalregierung über die Zukunft des ebenfalls beschädigten Leopold-II-Tunnels nachgedacht. Seinerzeit dachte man, dass diese Diskussion 15 oder 20 Jahre zu früh komme, doch jetzt erweisen sich die meisten Tunnel im Zentrum der Stadt und auch auf den Zubringerwegen bei genauerem Hinsehen als nicht in besonders gutem Zustand.

„Langfristig glauben wir, dass diese Art der Fortbewegung - Autos fahren durch Tunnel - keine Zukunft mehr hat. Heute müssen wir in Erwägung ziehen, einige dieser Tunnels zu renovieren. Doch ab einem bestimmten Augenblick müssen solche Tunnel auch verschwinden.“, so der Ministerpräsident der Hauptstadt-Region in einer Reaktion auf dieses akut bleibende Thema innerhalb der Brüsseler Verkehrspolitik.

Weitere Sperrung

Am Sonntagmittag wurde der Leopold-II-Tunnel in Brüssel kurzzeitig nocheinmal gesperrt. Auf Höhe der Basilika von Koekelberg hatte sich ein Betonstück aus der Tunneldecke gelöst. Eine genaue Inspektion soll jetzt auch in diesem Fall Klarheit bringen.

"Dramatische Tunnelsperrung"

Der regionale Brüsseler Unternehmerverband BECI nennt die einjährige Sperrung des Stefania-Tunnels dramatisch für die dortige Wirtschaft. Und dieser Schaden werde groß sein, so Olivier Willockx, der Geschäftsführer von BECI gegenüber der Nachrichtenwebseite brusselnieuws.be: „Das Viertel um den Stefania-Tunnel wird dies sicher spüren. Ich mache mir allerdings noch mehr Sorgen im das Stadtzentrum. Dieses ist seit der Einführung der Fußgängerzone schon schlechter erreichbar. Die Schließung einer so wichtigen Einfallstraße wird da noch eine Schippe draufgeben.“

Nach Ansicht von Willockx wird der zu erwartende Verkehrsinfarkt in der belgischen Hauptstadt dazu führen, dass sich einige Unternehmen gut überlegen werden, ob sie in Brüssel bleiben wollen oder ob sie sich hier wirklich niederlassen sollen. Der BECI-Geschäftsführer ist überdies entsetzt über die Art der Kommunikation der Brüsseler Regionalregierung: „Als wäre es nicht schon genug, dass der Tunnel ein Jahr lang dicht bleibt, müssen wir jetzt noch vernehmen, dass einige weitere Tunnel später vielleicht definitiv geschlossen werden.“