Flüchtlinge: Wie und wo soll man sie aufnehmen?

Das Thema Flüchtlinge und der Umgang mit ihnen wird im belgischen Bundesland Flandern auf politischer und gesellschaftlicher Ebene heiß diskutiert. Die Landesregierung droht Ferienzentren, die Flüchtlinge aufnehmen, mit dem Verlust von Zuschüssen und der Gouverneur der Provinz Westflandern fordert, Flüchtlingen nichts mehr zu essen zu geben.

Beide Vorgänge stoßen aber in Flandern auf scharfe Kritik. Der Pfarrer von Zeebrügge zum Beispiel, der sich um zumeist illegale Einwanderer kümmert, die in der Nähe dieses westflämischen Seehafens auf eine Möglichkeit warten, um auf die britischen Inseln zu gelangen, sieht es als seine christliche Pflicht an, Menschen in Not zu helfen.

Andere Kritiker des Vorschlags von Westflanderns Provinzgouverneur Carl Decaluwé, Flüchtlingen nichts mehr zu essen zu geben, weisen darauf hin, dass dies für mehr Probleme sorgen würde. Dann würde z.B. wohl mehr gestohlen, heißt es dazu.

Auch das Rundschreiben des flämischen Tourismusverbandes Toerisme Vlaanderen, offiziell anerkannte Ferienzentren, die auf Dauer Flüchtlinge beherbergen, könnten ihre Zuschüsse verlieren, stößt auf harsche Kritik. Zumal Flanderns Landesminister für Tourismus, Ben Weyts, der gleichen Partei angehört, wie Belgiens Staatssekretär für Asyl und Einwanderung, Theo Franken. Beide gehören zu den flämischen Nationaldemokraten N-VA und Francken sucht seit Monaten händeringend nach Aufnahmeplätzen für Flüchtlinge und griff dabei auch auf die Bereitwilligkeit der Betreiber von Ferienzentren zurück.

Weyts gab in einer Reaktion zu verstehen, dass er und sein Kabinett das entsprechende Rundschreiben auf Drängen des Tourismusverbandes verfasst habe und dass dieses Schreiben eigentlich zum Ziel habe, nach pragmatischen Lösungen zu suchen, damit die Ferienzentren in der Urlaubssaison wieder ihrem ursprünglichen Zweck dienen können. Flandern zählt 387 offiziell anerkannte Ferienzentren.