Brüssel: Demo gegen Billigstahl aus China

In der belgischen und europäischen Hauptstadt Brüssel demonstrierten an diesem Montag Arbeitnehmer und Arbeitgeber aus dem Stahlsektor in der Union gegen den Importstahl aus China, der hier zu Dumpingpreisen eingeführt wird. Gewerkschaftler und Bosse demonstrierten hier Seite an Seite.

Der Stahlboom in China scheint vorbei zu sein und so versuchen die chinesischen Stahlwerke ihre Produkte anderswo loszuwerden. Sie zielen dabei mit ihrem günstigen Stahl auch auf Europa, bzw. auf die Europäische Union, doch für den hiesigen Stahlsektor stellt dies eine erste Bedrohung dar, wie Geert Van Poelvoorde, CEO der Abteilung Flachstahl bei Arcelor Mittal Europa, gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion erklärte:

„Die Kapazität, die China in den vergangenen 15 Jahren aufgebaut hat, hat sich versiebenfacht. Diese Überkapazität hat eine Größenordnung von fast 400 Mio. Tonnen jährlich. Das ist das 2,5fache des gesamten Stahlverbrauchs in Europa in einem Jahr. Was tun die Chinesen? Sie versuchen ihre Produkte auf den Exportmarkt zu bringen und lassen deshalb ihre Preise drastisch sinken. Da China keine Marktwirtschaft wie wir sie haben, hat drücken sie ihre Preise derart nach unten, um so auf unseren Markt drängen zu können.“

Nach Angaben der Demonstranten bedroht diese Tendenz bis zu 300.000 Arbeitsplätze im EU-Stahlsektor. Rund 5.000 Stahlkocher und ihre Chefs aus rund 20 Ländern waren am Montagmorgen nach Brüssel gekommen, um vor den Institutionen der Union gegen die chinesischen Dumpingpreise zu demonstrieren. Die Forderung der Demonstranten aus dem europäischen Stahlsektor sind drastisch: Der europäische Stahlverband will nicht, dass die EU-Kommission China in Zukunft als eine Marktwirtschaft anerkennt. An diesem Montag findet bei der Kommission ein Treffen zum Haltung Europas gegenüber China statt. Dabei soll auch das wirtschaftliche Statut Chinas besprochen werden.

„Wenn Europa China als Marktwirtschaft anerkennt, dann ist es mit Anti-Dumping-Maßnahmen getan und dann geht es mit der Industrie in Europa zu Ende“, so der belgische Arcelor Mittal-CEO Van Poerlvoorde. Übrigens, die Stahlbosse hatten diese Demonstration organisiert. Die Gewerkschaften haben sich dem lediglich angeschlossen. Sie unterstützen deren Schritte auch und gerade aus Sorge um ihre Jobs.

Europas Industrieverbände mt Sorgenfalten auf der Stirn

Nach Ansicht von Milan Nitzschke von Aegis Europe, eine Allianz aus rund 30 europäischen Industrieverbänden, unterschätzt die EU-Kommission den potentiellen Einfluss einer Anerkennung Chinas als vollwertige Marktwirtschaft. Dieser Schritt würde eine Art "Sesam öffne Dich" für chinesische Dumpingprodukte in der EU darstellen und folglich hundertausende Arbeitsplätze in der Union Gefahr bringen.