Accent Jobs boykottiert Sozialwahlen

Im kommenden Mai stehen in der belgischen Privatwirtshaft die Sozialwahlen an. Die Mitarbeiter bestimmen dann ihre Gewerkschaftsvertreter im Betriebsrat und anderen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern paritätisch besetzten Gremien. Die Zeitarbeitsfirma Accent Jobs will mit Smartphone und zusätzlichem Urlaubstag ihre Angestellten zum Verzicht auf eine Kandidatur für diese Sozialwahlen motivieren.
Aurore Belot

Die belgische Zeitarbeitsfirma Accent Jobs bietet ihrem Personal ein Smartphone und einen zusätzlichen Urlaubstag an, wenn keiner ihrer Arbeitnehmer für die anstehenden Sozialwahlen kandidiert.

Die Absicht ist eindeutig: Das Unternehmen wolle dadurch die Sozialwahlen unterlaufen, findet die christliche Gewerkschaft. Nach dem Motto: Wenn keiner kandidiert, dann braucht man auch nicht abstimmen; und dann gibt’s am Ende auch keinen Betriebsrat, in dem die Arbeitnehmer ein gesetzlich geregeltes Mitspracherecht haben.

Ablehnung des Sozialdialogs

Laut Gewerkschaft gibt es noch immer Unternehmen, die keinen Sozialdialog wollen. Aber auch ansonsten habe Accent Jobs alles dafür getan, um die Sozialwahlen zu boykottieren. Neben einigen verwaltungstechnischen Tricks sei zum Beispiel der Termin für die Sozialwahl auf einen Samstag gelegt worden, wenn sowieso niemand im Betrieb anwesend ist.

Bei Accent Jobs versteht man die Aufregung indes nicht. „Wenn wir keine Sozialwahlen organisieren müssen, dann können wir das Geld in unsere Mitarbeiter investieren, was uns viel lieber ist“, sagt eine Sprecherin des Unternehmens in der Zeitung Het Nieuwsblad.

Streng genommen verstößt die Zeitarbeitsfirma da auch gegen kein Gesetz. Für seine Begriffe verstoße Accent Jobs wohl gegen den Geist des Gesetzes und auch einiger internationaler Abkommen, findet Belgiens Vizepremier und Arbeitsminister Kris Peeters (Foto,oben).

Er hat die zuständige Behörde beauftragt, den Fall zu prüfen. Man müsse untersuchen, inwieweit das Unternehmen wirklich versuche, die Mitarbeiter zu entmutigen, an den Sozialwahlen teilzunehmen, sagt Peeters.

Vielleicht finden sich ja am Ende bei der Zeitarbeitsfirma doch noch Kandidaten. Allerding würden das in einem Unternehmen, das den Gewerkschaften gegenüber so feindlich eingestellt sei, wohl ungemütliche vier Jahre, vermuten die Gewerkschaften.