Anschlag auf ein Kernkraftwerk geplant?

Bei ihren Ermittlungen gegen die IS-Terrorzelle, die vor drei Monaten mehrere Anschläge in Paris verübte, sind die Fahnder bei einer Hausdurchsuchung in Belgien auf ein Video gestoßen, das mit versteckter Kamera aufgenommen wurde. Die Bilder zeigen die Wohnung des Direktors eines hiesigen Kernforschungszentrums.

Die frankophone Tageszeitung La Dernière Heure berichtete in ihrer Mittwochsausgabe von dieser Entdeckung im Rahmen der Fahndung nach den Hintermännern der Pariser IS-Anschläge und geht davon aus, dass die radikal-islamistische Terrorgruppe auch einen Anschlag auf ein Atomkraftwerk in Europa plant. Es sei aber unklar, zu welchem Zeitpunkt dieses Video entstanden sein könnte, so das Blatt.

Das rund 10 Stunden lange Video zeigt die Wohnung des Direktors des Kernforschungszentrums SCK-CEN in Mol bei Antwerpen (Fotos). Offenbar wurde die entsprechende Videokamera in einem Wäldchen gegenüber dessen Wohnung installiert. Die Bilder zeigen das Kommen und Gehen des Mannes und auch ein Fahrzeug, das ohne Licht den Ort ansteuert. Daraus steigen zwei Männer aus, die die Kamera abbauen und mitnehmen.

Im Laufe des Mittwochs bestätigte die Bundesstaatsanwaltschaft die Existenz dieses Videos, teilt dazu aber mit, dass die beobachtete Person nichts mit den Kernkraftwerken in Belgien direkt zu tun habe. Der Mann arbeite in Kernforschungsprogrammen und nicht explizit im Bereich der Kernenergie, hieß es dazu. Dies relativiert natürlich die Vermutung von La Dernière Heure, IS plane einen Anschlag gegen ein europäisches Kernkraftwerk.

Ein Linienbus hilft weiter...

Das Video sei bei einer der vielen Razzien und Hausdurchsuchungen gegen mutmaßliche Terroristen im Dezember entdeckt worden, so die Zeitung. Zunächst hätten die Beamten gerätselt, wer der Beobachtete sei und wo das Video aufgenommen wurde. Einmal allerdings soll ein Bus der flämischen Nahverkehrsgesellschaft De Lijn an diesem „Drehort“ vorbeigefahren sein und anhand der Liniennummer auf dem Fahrzeug seien die Fahnder der Adresse auf die Spur gekommen. Unklar ist aber weiter, warum ausgerechnet der Kernforschungsleiter von Mol ausspioniert wurde.