Historische Funde unter Antwerpens Handelsbörse

Archäologen haben in den vergangenen Wochen unter der aus dem 19. Jhdt. stammemden Handelsbörse in Antwerpen Reste einer mittelalterlichen Wohnung und Grabesurnen aus der Eisenzeit entdeckt. Aus der Handelsbörse soll nach 15 Jahren Leerstand ein Veranstaltungsort entstehen. Unter dem Komplex soll eine Tiefgarage mit Parkplätzen gebaut werden.
DRIES LUYTEN

Der geplante Bau dieser Tiefgarage macht im Zuge der Erteilung der Baugenehmigung vorherige archäologische Untersuchungen erforderlich und möglich. Diese Arbeiten sind im Zeitplan des Umbaus der Handelsbörse aber vorgesehen und sorgen nicht für Verspätungen in der Planung. Die Handelsbörse liegt zwischen der ersten Stadterweiterung Antwerpens um das Jahr 1200 herum und der dritten Erweiterung, die auf zirka 1300 geschätzt wird. In dieser Zeit wurde die Scheldemetropole auf wirtschaftlicher Ebene immer bedeutender. Damit wuchs die Bevölkerungszahl ebenso, wie die Größe der Stadt.

Durch diese damals recht rapide verlaufende Entwicklung ist auf archäologischer Ebene in dieser Hinsicht nicht unbedingt viel bekannt, wie Tim Bellens von der Abteilung Archäologie der Stadt Antwerpen erzähl: „Darum ist die Handelsbörse ein so interessanter Ort. Sie steht an der gleichen Stelle, wie die alte aus dem 16. Jhdt. stammende Börse. Das bedeutet, dass man bei Ausgrabungen dort sofort auf Lagen aus der Zeit vor 1530 stößt. Das ist innerhalb der heutigen städtischen Umgebung außergewöhnlich.“

Bei ihren Ausgrabungen stießen die Archäologen auf Ziegelmauern, Pfahlsenken, Lehmböden und auf eine Art Herd oder Ofen. Etwas tiefer fanden sie Urnen, die auf einen Entstehungszeitraum aus der Eisenzeit zwischen 800 und 57 vor Christus schließen lassen. Daneben fanden sie Hinweise auf einen naheliegenden Friedhof. Jetzt sollen forensische Untersuchungen des Inhalts der Urnen Rückschlüsse auf das Profil der Toten liefern, z.B. Alter, Geschlecht oder Krankheiten, denen sie vielleicht erlegen sind.