Die Bahn soll unabhängiger von der Politik werden

Nach einer Meldung der flämischen Tageszeitung De Morgen sieht der neue Geschäftsführungsvertrag zwischen der belgischen Bundesregierung und der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB vor, dass die Bahn autonomer werden darf. Das betrifft auch die Gestaltung der Tarife, sprich der Fahrkartenpreise.

Die Tageszeitung De Morgen hatte vorab Einsicht in das Vorprojekt zum neuen Geschäftsführungsvertrag 2016-2020 zwischen der belgischen Bundesregierung und der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB und meldete in ihrer Donnerstagsausgabe, dass die Bahn in den kommenden vier Jahren ihre Fahrtarife selbst bestimmen darf. Das Papier sieht auch vor, dass die bisher geltende Bindung der Fahrkartenpreise an die Pünktlichkeit der Züge wegfallen wird.

Damit hat Bahnchef Jo Cornu bei Bundesverkehrsministerin Jacqueline Galant (MR) erreicht, was er schon lange wollte, nämlich die Gestaltung der Tarife selbst zu bestimmen und autonomer gegenüber der Politik auftreten zu können. Der Vertrag, der erst in zwei Wochen den Koalitionsparteien auf belgischer Bundesebene vorgestellt werden soll,

Diese Voraussicht ist für den Bahnchef und seine Eisenbahn sehr wichtig, denn hier wird schon lange die Kritik laut, dass Bahnfahren in Belgien zu billig ist. Das soll aber nicht bedeuten, dass die Fahrscheine für Zugfahrten oder Abonnements für Pendler, Schüler und Studenten jetzt drastisch teurer werden. Die Preisanhebungen erfolgen scheibchenweise über die nächsten vier Jahre verteilt.

Rechte, Pflichten und Kritik

An dem Vertragswerk arbeiteten laut De Morgen das Bundesverkehrsministerium, die Bahngesellschaft NMBS/SNCB und der bahneigene Infrastruktur-Dienstleister Infrabel mit. Hierin sind aber auch Forderungen an die Bahn festgeschrieben. So muss die Bahn alles daran setzen, um die Fahrpläne der NMBS/SNCB mit denen der anderen öffentlichen Verkehrsgesellschaften De Lijn (Flandern), TEC (Wallonien) und MIVB/STIB (Brüssel) abzustimmen.

Negativ für die Fahrgastverbände ist die Tatsache, dass die Bahn unabhängig von der Politik selbst bestimmen darf, welche Bahnhöfe offen bleiben oder geschlossen werden sollen? Beim Fahrgastverband ZugTramBus (TTB) erwartet man höhere Preise bei schlechter werdender Qualität und erinnert daran, dass die NMBS/SNCB quasi ein Monopol innehabe, wodurch jeder Bürger und Steuerzahler davon betroffen sei. Dieser Kritik schlossen sich im Laufe des Donnerstags auch die Oppositionsparteien SP.A (Sozialisten) und Groen (Grüne) an.

Jasper Jacobs