Lungenfibrose: Mittel nur für Nichtraucher?

Das Bundesinstitut für Kranken- und Invalidenversicherung, RIZIV/INAMI, will ein bestimmtes Medikament gegen eine Lungenkrankheit Patienten nur dann noch rückerstatten, wenn diese mit dem Rauchen aufgehört haben. Darüber gibt es jetzt Streit mit Lungenfachärzten, die die Gesundheitsministerin ins Spiel brachten.

Rund 40 Patienten in Belgien sind an Lungenfibrose erkrankt. Dagegen hilft ein ganz bestimmtes aber sehr teures Medikament: Ofev. Eine Behandlung mit diesem Arzneimittel kostet pro Patient und pro Jahr rund 30.000 €. Im vergangenen Dezember hat das belgische Bundesinstitut für Kranken- und Invalidenversicherung, RIZIV/INAMI, beschlossen, die Kosten für dieses Medikament nur dann zu erstatten, wenn die betroffenen Patienten mit dem Rauchen aufgehört haben.

Über einen Urintest soll festgestellt werden, dass die Patienten seit mindestens vier Wochen nicht mehr zum Glimmstängel gegriffen haben.

Lungenfibrose hat Kurzatmigkeit und Erstickungsgefühle zur Folge und diese Symptome lassen sich mit Ofev lindern. Kurz nach dem Beschluss der Versicherung regt sich allerdings Unmut dagegen. Lungenfachärzte halten davon nichts und forderten eine Reaktion von Bundesgesundheitsministerin Maggie De Block (Open VLD - kl. Foto).

Nach Ansicht der Mediziner ist es nicht für jeden Menschen einfach, mit dem Rauchen aufzuhören. Die Ministerin ruft dazu auf, mit der Anbindung des Lebenswandels an die Rückerstattung von Arzneimitteln vorsichtig umzugehen.

De Block ist der Ansicht, dass man über eine Reform der Rückerstattung von Ofev diskutieren solle, auch wenn die Materie delikat sei: „Wenn Pneumologen Beweise dafür haben, dass eine Behandlung auch bei Rauchern wirkt, stehen wir dem offen gegenüber. Dann liegt es am Ausschuss für Rückerstattung von RIZIV/INAMI, eine neue Empfehlung zu formulieren.“

Auch Zustimmung

Aber, es kommt auch von einigen Medizinern Zustimmung für die Vorgehensweise der Krankenversicherung. Paul Schotsmans, Professor für medizinische Ethik, nennt andere Bereiche, in denen ähnlich gehandelt wird. Gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion erinnert er z.B. an Lebertransplantationen:

„Hier bittet man die Patienten, die für eine Transplantation in Anmerkung kommen, schon seit Jahren darum, mindestens sechs Monate vor dem Eingriff keinen Alkohol zu trinken. Das geht ein wenig mit dem einher, war hier gerade vorliegt.“