Bahnschlamassel: Alarm, Softwareproblem und mehr

Zum Wochenanfang wurden die Reisenden auf dem Schienennetz der belgischen Eisenbahn wieder auf harte Proben gestellt. In den Morgenstunden am Montag legte ein Softwareproblem den Bahnverkehr in Brüssel teilweise lahm und im Laufe des Tages kam es gleich mehrmals zu falschem Bombenalarm in verschiedenen Bahnhöfen.
Jasper Jacobs

Am Montagmorgen hielt ein Softwareproblem, das den Zugverkehr zwischen den Bahnhöfen Nord und Süd/Midi zeitweise lahmlegte, die Verantwortlichen in den Stellwerken in Atem. Das Softwareproblem sorgte dafür, dass sich die durch diese Tunnelverbindung fahrenden Züge nicht „identifizieren“ ließen, sprich, im Stellwerk wusste man nicht, welcher Zug gerade wo im Nord-Süd-Tunnel war.

Ein Sprecher des bahninternen Infrastruktur-Dienstleisters Infrabel gab an, dass die Kommunikation zwischen Stellwerk und Zug auf elektronischem Wege versagt hatte und dass die Lokführer mit den jeweiligen Dienststellen telefonieren mussten. Gegen 11 Uhr am Montagmorgen war das Problem gelöst, doch nach Bahnangaben ist noch unklar, wie diese Fehlermeldung überhaupt entstanden ist.

Als dieses Problem gelöst war, brach weiteres Ungemach über die belgische Bahngesellschaft NMNS/SNCB und die Reisenden in den Zügen ein. Im Laufe von nur wenigen Stunden mussten die Bahnhöfe von Löwen, Mechelen und Brügge nach anonymen Bombenalarmen evakuiert werden. In allen drei Fällen erwies sich dies als falscher Alarm, doch daraus entstanden stundenlange Verspätungen.

Eurostar

Die Polizei hat vier Minderjährige in Zusammenhang mit dem Zwischenfall auf der Eurostar-Bahnlinie an der belgisch-französischen Grenze am vergangenen Freitag festgenommen. Dabei war ein Betonblock auf die Gleise des High-Speed-Zuges gelegt worden. Ein Eurostar auf dem Weg von London nach Brüssel hatte den Block erfasst und zerstört. Zu einer Entgleisung hatte der Vorfall zum Glück nicht geführt. Die Staatsanwaltschaft Tournai in der wallonischen Provinz Hennegau gab an, dass in diesem Zusammenhang vier Jugendliche im Alter von 15 und 16 Jahren verhaftet worden seien. Die Jugendlichen, die alle die französische Staatsbürgerschaft tragen, seien geständig. Auf sie wartet jetzt eine Anklage.

Geisterzug

Im Zusammenhang mit einem Geisterzug, der am vergangenen Donnerstag führerlos (und glücklicherweise leer) 12 km weit von Landen nach Tienen in flämisch Brabant gefahren war, kündigten das belgische Verkehrsministerium und das Aufsichtsorgan für Un- und Zwischenfälle bei der Bahn (OOIS) Vorermittlungen an, um den Sachverhalt zu klären. Das OOIS arbeitet gesetzlich geschützt völlig unabhängig und ermittelt nur in Sachen Umstände und Ursachen (direkt, indirekt und untergeordnet). Unabhängig von Bahn oder Staatsanwaltschaft versucht dieses Gremium nur den Sachverhalt zu klären. Mit der Verantwortung für derartige Zwischenfälle beschäftigt sich das OOIS grundsätzlich nicht.