Kulturbanken: Bald Kleinkredite für Künstler?

Flanderns Landeskulturminister Sven Gatz (Open VLD) schlägt angesichts knapper Kassen alternative Finanzierungsmöglichkeiten für die Bereiche Kunst und Kultur vor. Damit will er neue Geldquellen für den Kultursektor anzapfen. Die Kultur im belgischen Bundesland Flandern musste im Zuge der Sparmaßnahmen der Landesregierung gekürzte Zuschüsse hinnehmen.

Der flämische Liberale Sven Gatz (kl. Foto) will dem Kultursektor die Möglichkeit bieten, auf alternativem Wege nach Finanzmitteln zu suchen: „Um anzufangen wäre es nicht schlecht, wenn Künstler auf einfacherem Wege Geld leihen könnten. Das wollen wir über Kleinkredite versuchen, also über einige Tausend Euro, die man zinslos oder mit niedrigen Zinsen bei Kultur-Banken leihen kann.“

Eine weitere Möglichkeit wäre in den Augen von Landeskulturminister Gatz den Erwerb von Kunstwerken zu bezuschussen, um damit auch bei Kunstinteressierten Hemmschwellen abzubauen und den Kunsthandel zu fördern: „Über eine Regelung zum Kunstankauf könnte man Werke bis zu einem zu bestimmenden und nicht allzu hohen Preis erwerben und die Landesregierung übernimmt die Zinsen bei der Ratenzahlung.“ Ein solches System für den Erwerb von Kunstwerken aus der Nachkriegszeit wird bereits in den Niederlanden angewendet.

Die so genannte „Tax Shelter“, die für steuerliche Anreize bei der Investition in Filmproduktionen in Belgien sorgen soll, wird nach Angaben des Landeskulturministers auch auf Bühnenproduktionen in Flandern ausgeweitet. Dies soll bereits in der zweiten Jahreshälfte 2016 umgesetzt werden können. Eine Kulturbank und die Regelung zum Kunstankauf werden ab 2017 greifen, so Gatz.

Jonas Roosens

Pragmatisch?

Der Kulturminister, der sich selbst als Pragmatiker bezeichnet, gab aber deutlich zu verstehen, dass die bisherige Subventionierung von Kunst und Kultur weiter in der aktuellen Form bestehen bleibe und nicht durch die neuen Initiativen und Maßnahmen ersetzt würden: „Wenn die Regierung den Kultursektor nicht alleine finanzieren kann, dann will ich, dass das die Privatwirtschaft auch machen kann. Ich mache nur steuerliche Möglichkeiten möglich, um das au tun. Die Regierung hat die Pflicht, Kultur öffentlich zu finanzieren. Daher nennen wir das ergänzende Finanzierung.“ Gatz glaubt, dass eine Partnerschaft zwischen der öffentlichen Hand und dem Privatsektor für die Kultur in Flandern eine gute Sache ist.