Wie weit ist Belgien mit der Digitalisierung?

Die gute Nachricht: Belgien steht im EU-Vergleich auf dem fünften Platz bei der Digitalisierung und schneidet damit besser als der EU-Durchschnitt ab. Es hat wie die meisten anderen der 28 EU-Mitgliedsländer insgesamt Fortschritte gemacht. Die weniger gute Nachricht: Das Fortschrittstempo hat sich gegenüber der EU als Ganzes (im Vergleich zum Bericht 2015) verlangsamt. Belgien gehört somit zwar weiterhin zu den Ländern, die bei der Digitalisierung vorne liegen, droht aber von anderen überholt zu werden. Das geht aus der jetzt veröffentlichten Ausgabe 2016 des Indexes für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft (DESI) der Europäischen Kommission hervor.

Auf einer Skala von 0 bis 1 erreicht Belgien insgesamt 0,63 und schneidet damit besser als der EU-Durchschnitt ab (0,52).

Untersucht wurden die Fortschritte auf den Gebieten Konnektivität, Humankapital (digitale Kompetenzen), Internetnutzung (zum Beispiel Nutzung von online Inhalten wie Videos, Musik und Spiele oder Online-Shopping und E-Banking), Integration der digitalen Technologie (wie die Digitalisierung des Handels) und digitale öffentliche Dienste.

Belgien nimmt bei der Digitalisierung insgesamt immerhin den 5. Platz ein und gehört damit zur Spitzengruppe in Europa. Nur Dänemark, die Niederlande, Schweden und Finnland liegen vor Belgien in der DESI-Rangliste.

Ermutigung zum ultraschnellen Breitbandanschluss

So schneidet Belgien besonders gut in Sachen Zugang zu hochleistungsfähigen Breitbandanschlüssen (ab 30 Mbit/s) ab und nimmt im EU-Vergleich den 2. Platz auf diesem Gebiet ein. Das Land ist zu 99 Prozent mit schneller Vernetzung ausgestattet, wobei 78 Prozent der Haushalte einen festen Breitbandanschluss besitzt und die Mehrzahl dieser Anschlüsse sind wiederum schnell.

Zwei Herausforderungen, heißt es in dem Bericht, stellten sich aber für die Zukunft: Belgien müsse die Nutzung seines mobilen Breitbandes verbessern, da mobile Geräte eine immer größere Rolle in der Kommunikation spielten. Außerdem sollte Belgien zum Einsatz eines ultraschnellen Breitbandanschlusses (von über 100 MBit/s) ermutigen, um seine Spitzenposition bei der Konnektivität halten zu können. Hierzu bedarf es wiederum besonders schneller Netzwerke und damit der Einrichtung von zum Beispiel Glasfaserkabelanschlüssen.

Belgiens Regierung hat bereits 2015 einen Digital-Plan ("Digital Belgium") erstellt, in dem auch schnellere Verbindungen und digitale Kompetenzen aufgenommen sind.

12,6% aller Belgier zwischen 16 und 74 Jahren war noch nie im Internet

Doch was die digitalen Kompetenzen angeht, ist Belgien im Vergleich zum letzten Jahr sogar noch etwas zurückgefallen und steht nur auf Platz 11 des Rankings. Belgien sollte wohl berücksichtigen, dass 12,6 Prozent aller Belgier zwischen 16 und 74 Jahren noch nie das Internet genutzt hat. Und in diesem Anteil ist noch nicht einmal der älteste Teil der Bevölkerung enthalten.

Diejenigen, die das Internet und ihre Dienste nutzen, sind jedoch bereit, das breite Online-Angebot, von Nachrichtenwebsites über Musik und Videos bis hin zu Spielen, zu nutzen. In diesem Punkt schneidet Belgien besser als im letzten Jahr ab und nimmt  EU-weit den 3. Platz ein. 42 Prozent kommuniziert übrigens über Video-Anrufe und gar 78 Prozent über soziale Netzwerke.

"Das Engagement bei den Belgiern entspricht dem des EU-Durchschnitts oder liegt über dem EU-Durchschnitt", heißt es in dem Bericht noch.

13 % der belgischen KMU verkaufte grenzüberschreitend online

Auch was Unternehmen angeht, die digitale Technologien einsetzen, steht Belgien offenbar in nichts zurück. Belgische Unternehmen würden zunehmend die Möglichkeiten des elektronischen Handels, der sozialen Medien und der Cloud-basierten Anwendungen nutzen. 13 Prozent der KMU verkaufte grenzüberschreitend online, "ein wichtiger Kanal, um einen größeren Markt zu erreichen."

Die digitalen öffentlichen Dienstleistungen haben sich im Vergleich zu 2015 übrigens stark verbessert, doch habe Belgien noch ausreichend Potenzial, um die Online-Dienste in der öffentlichen Verwaltung zu optimieren, schließt der 2016 veröffentlichte Bericht.