Antwerpens Lotsen bestreiken Riesenschiffe

Seit Montag können Hochseeschiffe, die länger als 339 m sind, nicht mehr mit Hilfe von belgischen Lotsen über die Schelde zum Hafen von Antwerpen fahren. Diese Aktion betrifft vor allem große Containerschiffe. Die Lotsen wollen für das Begleiten von Riesenschiffen eine höhere Vergütung erreichen. Doch die Aktion gilt bei den zuständigen Hafenbehörden als „dumm“ und „unverständlich“.

Gleich mehrere der heute modernen riesigen Containerschiffe liegen vor der niederländischen Küste an der Mündung der Westerschelde fest und warten auf Lotsen der niederländischen Schifffahrtsbehörden. Ihre belgischen Kollegen wollen „so lange streiken, wie nötig“, so ein Gewerkschaftler dazu, der weiter keinen Kommentar abgeben wollte.

Die Aktion wurde von der Unabhängigen Vereinigung der Lotsen begonnen, doch offenbar nehmen auch Mitglieder der offiziellen Gewerkschaften an diesen Streik teil. Einer der betroffenen Containerfrachter ist die ‚Eleonora Maersk‘.

Der Sozialkonflikt, so wurde im Laufe des Dienstags bekannt, betrifft nicht nur eine höhere Vergütung für Lotsen, die Riesenfrachter durch die Schelde führen, sondern auch Maßnahmen zur „Erhöhung der Produktivität“, die von der flämischen Landesregierung kommen.

Eddy Bruyninckx, der CEO des Antwerpener Hafens, nannte die Aktion „dumm und unverständlich“. Dieser Streik bringe den Behörden, den Reedereien und der nach dem Löschen der Ladung erfolgenden Transportkette wirtschaftlichen Schaden, so Bruyninkx: „Daneben steht aber auch ein Imageschaden und der ist besonders dramatisch.“

Der Hafen von Antwerpen habe im vergangenen Jahr besonders gute Zahlen geschrieben - besonders im Bereich Containerverkehr: „Das man das jetzt als Zielscheibe für Aktionen braucht, ist nicht nur unbegreiflich, sondern auch besonders dumm. So etwas habe ich noch nicht erlebt.“

"Stoppt die Aktion, augenblicklich!"

Marc Beerland, der Direktor von MSC Belgium, zeigte sich angesichts des Streiks der Lotsen aufgebracht. Gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion warf er den Gewerkschaften am Mittwochmittag vor, enorme Risiken einzugehen:

„Das ist ein Spiel mit Jobs und mit dem Geld anderer Leute. Man muss sich mal vorstellen, dass bei uns 2.000 Leute arbeiten. Diese und viele weitere hängen von uns ab. Das betrifft tausende Beschäftigte. Darum rufe ich jetzt und hier dazu auf, diese Aktion augenblicklich zu stoppen! Augenblicklich!“