Teilzeitjobs: Heute wissen, ob man morgen arbeitet?

Die belgische Mitte-Rechts-Regierung arbeitet an einem Gesetzesvorschlag, der es Arbeitgebern ermöglichen soll, sehr kurzfristig auf Teilzeitpersonal zurückgreifen zu können. Das man nur einen Tag im Voraus gesagt bekommt, das man anderntags schon arbeiten muss, wollen die Gewerkschaften aber nicht akzeptieren.

Heutzutage führen viele Unternehmen aus den Bereichen Pflege und Gesundheit, in Vertrieb und Logistik oder aus der Gastronomie und dem Einzelhandel kaum noch Dienstpläne. Sie arbeiten vermehrt mit Teilzeitkräften, die oft nur ad hoc angerufen werden, um ihren Dienst kurzfristig anzutreten. Offiziell aber müssen Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft mindestens fünf Tage vor Dienstantritt bestellt werden.

Daran will z.B. die sozialistische Angestelltengewerkschaft BBTK festhalten. Von Plänen von Bundesarbeitsminister Kris Peeters (CD&V), diese Frist auf einen Tag zu kürzen, hält BBTK-Vorsitzender Erwin De Deyn nichts: „Es spricht natürlich für sich, dass Arbeitnehmer, die nicht wissen, ob sie am nächsten Tag arbeiten müssen oder nicht, Probleme mit der Organisation ihres Privatlebens haben, z.B. mit der Betreuung ihrer Kinder. Und für die Arbeitnehmer, die zwei Teilzeitjobs miteinander kombinieren, ist das völlig unmöglich.“

Die Gewerkschaften führen bei ihrer Kritik an, dass in diesem Fall die schwächsten Arbeitnehmer, wie alleinerziehende Frauen, an meisten betroffen wären. Arbeitsminister Peeters (kl. Foto) von den flämischen Christdemokraten CD&V beschwichtigte gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion und gab an, dass Arbeitgeber ihren Teilzeitkräften mindestens einen Tag vor Dienstantritt Bescheid geben müssten und die Gewerkschaften bzw. die Betriebsräte in den jeweiligen Unternehmen müssen dem auch zustimmen:

„Das bedeutet, dass sowohl die Arbeitnehmer, als auch deren Vertreter und die Arbeitgeber die jeweilige Betriebsordnung respektieren müssen und darum auch zu einem dementsprechenden Abkommen finden müssen. Also gehe ich davon aus, dass sich alle Beteiligten einig sein müssen, ob man die Aufforderung zum Dienstantritt auf eine Frist von mindestens einem Tag verkürzen soll oder kann. Das können aber auch mehrere Tage sein.“

Negativbeispiele Niederlande und Großbritannien?

Die Gewerkschaften wollen Regelungen, wie die Flex-Verträge in den Niederlanden oder die Null-Stunden-Verträge in Großbritannien, in Belgien verhindern. Hier können Teilzeitkräfte mit einem Fingerschnitt zur Arbeit aufgefordert werden, was wiederum eine kohärente Planung des Privatlebens unmöglich macht. Der Gesetzesvorschlag dazu liegt bereits dem Nationalen Arbeitsrat in Belgien zur Begutachtung vor.