Antwerpener Lotsenstreik endlich beendet

Nach einer Marathon-Verhandlungsrunde von 19 Stunden haben sich Vertreter der flämischen Landesregierung und die Lotsen, die die Hochseeschiffe über die Schelde zum Antwerpener Hafen begleiten, auf ein Abkommen geeinigt. Seit Montag konnte kein Containerriese, der länger als 339 m war, den Hafen anlaufen oder verlassen.

Seit Montag wütete im Antwerpener Hafen ein Sozialkonflikt der besonderen Art. Die Lotsen weigerten sich tagelang, Hochseeschiffe größerer Bauart über die Schelde in den Hafen zu führen. Davon waren in erster Linie die riesigen Containerfrachter der neuen Generation betroffen. Die Lotsen forderten für die Begleitung solcher Riesenfrachter eine zusätzliche Prämie.

Die flämische Landesregierung und Landesverkehrsminister Ben Weyts (N-VA) wollen höhere Prämien für die Lotsen allerdings an Bedingungen knüpfen, sprich an flexibleres und an effizienteres Arbeiten. Das aber lehnten die Lotsen ab, denn entsprechende Abmachungen seien bereits im vergangenen Jahr festgeschrieben worden und daran werde nicht mehr gerüttelt. Erbost brachen die Lotsen am Mittwoch eine erste Verhandlungsrunde im Rathaus von Antwerpen ab.

Die Folgen dieser Aktion waren beachtlich. Im Laufe dieser Woche machten gleich vier Mega-Containerschiffe vor der niederländischen Küste an der Scheldemündung fest, weil sie den Antwerpener Hafen ohne Lotsen an Bord nicht anfahren konnten. Mindestens ein weiteres Containerschiff ist inzwischen weitergefahren und nach Hamburg ausgewichen. Die Hafenbehörden und viele Reedereien - nicht nur die betroffenen Container-Reedereien - drängten die Lotsen auf einen Abbruch der Aktion, doch diese blieben standhaft.

Am frühen Freitagmorgen kurz nach 10 Uhr kam aus dem Rathaus von Antwerpen, wo die Lotsen und Verkehrsminister Weyts rund 19 Stunden lang verhandelt hatten, weißer Rauch. Wie gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion bestätigt wurde, konnte ein Abkommen unterzeichnet werden.

"Zwei Abkommen!"

Nach den Gesprächen zwischen der flämischen Landesregierung und den Lotsen-Gewerkschaften sagte Landesverkehrsminister Ben Weyts (N-VA), dass man gleich zwei Abkommen geschlossen habe. Das erste Abkommen betrifft höhere Prämien für Lotsen, die Mega-Frachter durch die Schelde begleiten und das andere Abkommen betrifft gleich mehrere Themen aus dem Bereich Arbeitsrecht.

Das sind z.B. eine Erhöhung der Produktivität im Lotsenwesen um 15 % und eine Anhebung des Rentenalters für Lotsen von derzeit 60 Jahre auf 63 Jahre. Das (oder die) Abkommen betreffen aber nicht nur die Arbeit der Schelde-Lotsen, sondern auch die der See-, der Fluss- und der Kanallotsen, die im belgischen Bundesland Flandern tätig sind.

Kurz nach dem Abschluss der Verhandlungen nahmen die Lotsen an der Schelde ihre Arbeit wieder auf. Ein erstes Mega-Containerschiff hat gegen Mittag den niederländischen Hafen von Vlissingen in Richtung Antwerpen verlassen und die anderen bereits vier dort wartenden Frachter werden noch am Freitag folgen. Das ist für den Antwerpener Hafen eine logistische Premiere, denn normalerweise läuft nur ein solcher Mega-Hochseefrachter pro Tag den Hafen an.