De Crem: "Ich glaube nicht an einen europäischen Islam"

"Ich gehe als Optimist durch das Leben, aber ich glaube nicht an einen europäischen oder belgischen Islam", betont der belgische Staatssekretär für Außenhandel, Pieter De Crem (CD&V), an diesem Samstag in einem Interview mit der Zeitung De Morgen.

Die Frage auf De Crems Antwort lautete: "Welchen Platz sehen Sie für den Islam in Europa?"

Die Struktur des Islams lasse nicht zu, Terrorismus im Namen des Islams zum Beispiel per Dekret zu verurteilen, so der ehemalige Verteidigungsminister De Crem weiter. "Infolge dieses Hierarchiemangels wird es noch Generationen dauern, bis die Menschen integriert sind."

De Crem findet, dass man eine gewisse Anpassung dieser Leute an die Gesellschaft anstreben sollte, denn die Menschen müssten mit der Gesellschaft verschmelzen, ohne dabei ihre Wurzeln zu verlieren, so der flämische Christdemokrat.

"Das ist nun einmal für Muslime nicht so einfach. Die Alternative ist eine Art sanfte Rassentrennung. Und dann wird es sehr schwer, den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft zu bewahren."

"Die Zeichen, die die Führer der Moslemexekutive bislang gesetzt haben, geben wenig Anlass zur Hoffnung. Dieses Spannungsverhältnis zum Islam gibt es übrigens schon lange. 1991 hat es bereits ernsthafte Auseinandersetzungen in Molenbeek gegeben, bei denen alte Dieseltonnen angezündet wurden."

Auch das zeige doch die schwierige Integration, die eine Folge des Islams sei. "Ich kenne kein einziges Land, das seinen ausländischen Bürgern mehr Chancen zur Integration geboten hat, als Belgien."

Gemeint sei, dass gesetzlich gesehen, keine Diskriminierung stattfinde. So gebe es kein apartes Sozialsystem für Migranten, keine separaten Schulen. "Den Zugang zu unserem Wohlfahrtsstaat und den Sozialrechten betreffend, liegt keine Diskriminierung vor", meint De Crem. 

In der Praxis trage man jedoch gemeinsam Verantwortung: Familiäre Strukturen, die wohl versagt hätten, eine offenbar missglückte Integration.

"Was hätte man denn tun können?", will De Morgen wissen. De Crem ist überzeugt, dass man die Menschen mehr an ihre Pflichten hätte erinnern sollen. "Dafür sorgen, dass sie die Sprache lernen. Wenn Du einen Job haben willst, musst Du die Sprache sprechen. Heute holen wir das ein bisschen auf, aber inzwischen kommt eine ganz neue Generation hier an."

"Angelsächsische Länder stellen das schlauer an"

"Als lokaler Entscheidungsträger habe ich gesehen, wie schwierig es war, die Integrationswelle von Menschen aus dem ehemaligen Jugoslawien, Mitte der 90er Jahre, zu verarbeiten. Der Zustrom der Flüchtlinge heute kommt noch hinzu."

Man werde in Europa noch viele Jahre große Anstrengungen mit dem Flüchtlingszustrom unternehmen müssen, so De Crem. "Auch, weil wir nicht so schlau mit den Flüchtlingen umgehen wie die angelsächsischen Länder. Die Vereinigten Staaten und Kanada sind bei der Aufnahme viel selektiver und weisen die Leute viel schneller auf ihre Pflichten hin. Allerdings sollten wir auch zum Ziel haben, dass viele Menschen nach Syrien zurückkehren können."

"F16-Kampfflugzeuge schicken reicht nicht aus"

Auf die Frage, wie Syrien je wieder ein stabiles Land werden könne, antwortet De Crem noch: "Zunächst sind die Tage von Assad gezählt."

"Die Russen werden wohl auch begreifen, dass es nicht möglich ist, ihn weiter machen zu lassen. Die internationale Koalition muss bis zum Abgang Assads ein neues Syrien planen, eine stabilisierte Region, in die die Bürger zurückkehren können. Danach muss eine Art Marshallplan für dieses Land erstellt werden. Ich denke, dass das irgendwann kommt."

Ob man F16-Kampfflugzeuge nach Syrien schicken müsse? Darauf antwortet De Crem eindeutig mit Ja. Nur so könne man zu einer grundlegenden Lösung in der Flüchtlingskrise  kommen. "Wir müssen knallhart gegen den IS vorgehen. Der Islamische Staat darf niemals ein Staat werden. Doch mit militärischen Mitteln allein schaffen wir das nicht. Man schaue nur nach Libyen!"

Wichtig sei, dass man auch in die Soziale Sicherheit des Landes investiere, Korruption bekämpfe, die Zivilgesellschaft unterstütze, doch all das sei dort nicht geschehen.