Rubenshaus zeigt Van Dyck-Selbstporträt

Das Antwerpener Rubenshaus hat sechs neue Gemälde als Leihgabe erhalten. Darunter ist auch ein bisher noch nie ausgestelltes und unbekanntes Selbstporträt von Anthony van Dyck. Es handelt sich möglicherweise um das letzte Selbstporträt des berühmten Rubens-Schülers, der in England als Hofmaler berühmt wurde.

Erst vor Kurzem ist ein „neues“ Selbstporträt von Anthony van Dyck aufgetaucht, ein absolutes Vorzeigestück. Es ähnelt dem bekannten Selbstporträt von Van Dyck aus The National Portrait Gallery in London, welches vor ein paar Jahren für Aufregung sorgte, sehr. Und wiederum kann das Rubenshaus dieses neue Werk als erstes einem großen Publikum zeigen, zusammen mit 6 weiteren Leihgaben.

Die Visitenkarte von Van Dyck

Anthony van Dyck war der berühmteste und talentierteste Schüler von Peter Paul Rubens. Das nun aufgetauchte Selbstporträt hat er im Auftrag des englischen Königs Charles I gemalt. Selbstporträts erfolgreicher Künstler waren begehrte Sammelobjekte, und Charles I hatte eine kleine aber feine Sammlung von Selbstporträts von Tizian, Bronzino, Giulio Romano, Rubens und Van Dyck. Charles I bewunderte seinen Hofmaler Anthony van Dyck sehr.

Das Selbstporträt im Rubenshaus ist mit dem aus The National Portrait Gallery in London fast identisch. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die Schnurrbartspitzen von Anthony in diesem Porträt nach oben zeigen. Der herunterhängende Schnurrbart auf dem Werk in London weist darauf hin, dass Van Dyck dieses Porträt für sich selbst anfertigte.

Aufgrund der Übermalungen und des späteren rechteckigen Rahmens wurde das Werk bis vor Kurzem Nachfolgern zugeschrieben. Untersuchungen haben nunmehr ergeben, dass es sich um einen echten Van Dyck handelt. Ein solches Selbstporträt war eine wahrhaftige Visitenkarte, die von dem Talent des Künstlers zeugte. Der Maler entschied selbst, wie er gesehen werden wollte.

Internationale Premiere für Maarten de Vos

Nicht nur das Selbstporträt von Anthony Van Dyck erlebt im Rubenshaus seine internationale Premiere, sondern auch Die Verleumdung des Apelles von Maarten de Vos (Foto). Der talentierte De Vos ist dem breiten Publikum weniger bekannt, wird jedoch als „Vorgänger“ Rubens angesehen.

Die Verleumdung des Apelles war ein Thema, mit dem sich De Vos als gelehrter Renaissance-Künstler profilieren konnte. Apelles – der berühmte Maler aus der Antike – wurde durch einen konkurrierenden Meister verleumderisch der Verschwörung gegen den mazedonischen General Ptolemaeus beschuldigt. Dieser stand kurz davor, Apelles hinrichten zu lassen, als die Wahrheit über seine Unschuld ans Licht kam und der Maler doch noch freigesprochen wurde.

Das Thema wurde im frühen fünfzehnten Jahrhundert neu entdeckt und war sehr populär. In den Niederlanden wurde Apelles als die Verkörperung des perfekten Malers angesehen. So wurde Rubens wiederholt als „Apelles seiner Zeit“ gepriesen. Das Tafelbild von Maarten de Vos ist heutzutage die einzig bekannte gemalte Version des Themas aus den Niederlanden. 2019 soll das Werk als Dauerleihgabe im renovierten ‚Königlichen Museum der schönen Künste‘ in Antwerpen ausgestellt werden.

LinkedIn in der Zeit Rubens

Ein anderer Grund für einen Besuch des Rubenshauses ist der Jupiterkopf von Anthony van Dyck und die Kopfstudie einer alten Frau von Jacob Jordaens. Der Jupiterkopf ist ein Fragment des virtuosen Werks Jupiter und Antiope, von dem Van Dyck verschiedene Versionen schuf. Das Gemälde in der Sammlung des Museums der schönen Künste in Gent wird auf ca. 1620 datiert. Zu diesem Zeitpunkt war Van Dyck noch jung und wurde sehr durch seinen Lehrmeister Rubens beeinflusst.

Der muskulöse und bärtige Jupiter erinnert an Figuren alter Männer in den Kompositionen Rubens. Die Studie zeigt einen gebeugten Jupiter mit Hörnern auf dem Kopf, der als Satyr verkleidet ist, ein unsittliches mythologisches Wesen mit Ziegenbeinen. Die Kopfstudie einer alten Frau von Jacob Jordaens ist eine Studie für ein Werk. Er war neben Rubens und Van Dyck einer der Protagonisten der flämischen Barockmalerei.

Jordaens wurde ebenfalls sehr von Rubens beeinflusst, entwickelte jedoch einen ganz eigenen Stil. Wie viele Meister fertigte er Studien nach lebenden Modellen. Die Art und Weise, wie der Antwerpener Meister das Gesicht der alten Frau modellierte, mit sichtbaren Falten in ihrem Nacken und auf ihrem Gesicht und geröteten Wangen, macht sie zu einer charakteristischen, erkennbaren und lebenden Person.

Auch die prächtigen Porträts von Elisabeth von Frankreich und Ferdinando Gonzaga des talentierten Frans Pourbus de Jonge können im Rubenshaus bewundert werden. Die detaillierte Darstellung des mit Gold bedeckten Harnisch des jungen Mannes und der mit Goldbordüren versehenen Kleidung der zehnjährigen Elisabeth zeigt das meisterhafte Talent von Pourbus als Porträtmaler. In dem lebensechten Porträt eines Herren stellt Jan Cossiers einen unbekannten, jedoch treffsicheren jungen Mann dar. Beide Maler waren geschäftlich mit Rubens bekannt. Mit Pourbus arbeitete Rubens im selben Atelier im italienischen Mantua und mit Cossiers arbeitete er in den 1630er Jahren regelmäßig zusammen.

Werke großer Namen wie von Van Dyck zu kaufen ist für viele Museen unbezahlbar geworden. Damit Besucher möglichst viele Werke von Rubens und seinen talentierten Zeitgenossen bewundern können, leiht das Rubenshaus immer wieder relevante Gemälde aus privaten und öffentlichen Sammlungen. Jede einzelne der neuen Leihgaben ist ein Meisterwerk der Malerei, welches Sie im Rubenshaus, dem Ort, an dem die Künstler einen Teil ihres Lebens verbracht haben, bestaunen können.

INFO

Die Leihgaben des Rubenshauses wechseln regelmäßig. Auf der Internetseite finden Sie die aktuellsten Informationen.

www.rubenshuis.be

Rubenshaus, Wapper 9-11, 2000 Antwerpen