"Doel 1 und 2 entsprechen nicht der Erdebennorm"

Die Kernreaktoren Doel 1 und 2 im gleichnamigen Atomkraftwerk Doel bei Antwerpen entsprechen nicht den aktuell gültigen seismologischen Sicherheitsnormen, wie die frankophone belgische Tageszeitung Le Soir meldet. Der europäische Regulator für Nuklearenergie, WENRA, bewertete diese Norm nach Fukushima neu, was in Belgien noch nicht in Betracht gezogen wurde.

Kraftwerksbetreiber Electrabel erhielt im vergangenen Jahr einen Zuschuss von 700 Mio. € aus Steuermitteln, um im Zuge der Laufzeitverlängerung die hiesigen Atomkraftwerke den heutigen Anforderungen abzupassen. Doch in die entsprechenden Vorgaben wurden die aktualisierten Erdbebennormen der WENRA laut Le Soir gar nicht erst aufgenommen.

WENRA definierte die Sicherheitsnormen für Nuklearanlagen im Jahr 2014 auf der Basis der Untersuchungen nach den Ursachen der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima 2011 neu. Nach diesen Normen muss ein Kernreaktor beständig gegen so genannte (Spitzen)Bodenbeschleunigung (peak ground acceleration (PGA) - ein Maßstab zur Angabe der Stärke eines Erdbebens, der auch als Gradmesser für die Bemessung von Schadensumfängen nach Beben gilt) sein. Diese maximale Bodenbeschleunigung beträgt 0,1 gr. Doel 1 und 2 sind lediglich gegen ein PGA von 0,058 gr. abgesichert.

Noch kein belgisches Gesetz

Noch im November des vergangenen Jahres schloss die belgische Bundesregierung ein Abkommen mit Kraftwerksbetreiber Electrabel über eine Laufzeitverlängerung der ältesten belgischen Meiler um 10 Jahre bis 2025. Der Energiekonzern erhielt dazu einen Zuschuss aus Steuermitteln von 700 Mio. €, um die dazu notwendigen Investitionen zu finanzieren, doch in den Vorgaben dazu wurde die Erdbebensicherung nicht vorgesehen, wie Le Soir in ihrer Dienstagsausgabe dazu meldet.

Die staatliche belgische Atomaufsichtsbehörde FANC stellt dazu fest, dass die neuen Richtlinien von WENRA noch nicht in belgisches Gesetz umgewandelt wurden. Dies soll bis spätestens 2017 aber der Fall sein. Dann werde man auch sei seismologische Beständigkeit der Meiler Doel 1 und 2 kontrollieren und neu bewerten, hieß es dazu von Seiten der FANC.