Die Milch wird teuerer - Bauern verdienen weniger

In den vergangenen Monaten ist die Milch in Belgien teurer geworden. Den Zuschlag, den die Landwirte angesichts der niedrigen Abnahmepreise vom hiesigen Handel bekommen, wird an die Verbraucher durchgerechnet. Und doch sind die Einnahmen der belgischen Milchbauern weiter gesunken. Das liegt an der Tatsache, dass die Milchproduktion derzeit höher liegt, als die Nachfrage nach Milchprodukten.

Das Überangebot an Milch sorgt schon seit Langem auch in Belgien für sinkende Preise am Markt. Weil die Nachfrage nach Milch weiter sinkt, kommen die hiesigen Milchbauern auch nach den Ausgleichszahlungen durch den Handel nicht aus ihren Unkosten. Im August 2015 hatten sich die Landwirtschaftsministerien in Bund und Ländern, die Agrarverbände und Handel und Vertrieb auf einen Zuschlag von 3 Eurocent pro Liter Milch geeinigt. Dieses Geld kommt aus einem Fonds, den Handel und Vertrieb speisen.

Trotz des Versprechens, dass die Milch in den Supermärkten nicht teurer werde, gab der Handel diese Mehrkosten an die Verbraucher weiter, wie das Preisobservatorium des belgischen Wirtschaftsministeriums errechnete. Von dort aus heißt es zur aktuellen Situation: „Das Inkrafttreten des Milchabkommens im September 2015 führte sofort zu starken Preisanstiegen von Milchprodukten.“ Im Oktober waren die Milchpreise um 17 % angestiegen.

Beim Einzelhandelsverband Comeos hält man sich eher bedeckt in dieser Frage. Peter Vandenberghe, der Leiter der Kommunikationsabteilung bei Comeos, will der Sache nachgehen, auch wenn die Supermärkte inzwischen zugegeben haben, den Milchzuschlag an den Verbrauch verrechnet zu haben:

„Ich kann nicht sagen, ob das vollständig verrechnet worden ist, denn ich kenne den Grundpreis für Milch nicht. Der Preis kann auch ohne diesen Zuschlag gestiegen sein. Wir werden das natürlich untersuchen, denn das ist eine Kette mit vielen Gliedern. Wenn sich ergibt, dass dieser Zuschlag in diesen Ketten unserer Ansicht nach weitergegeben wurde, können wir nicht anders, als diesen Preis zu zahlen. Wir können die Milch nicht teurer einkaufen, als wir sie verkaufen.“

Zuschlag fängt Verluste nicht auf

Annemarie Vangeenberghe vom Bauernbund sagte gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion, dass die Landwirte trotz des Milchabkommens weiter weniger verdienen: „Seit der Zuschlag ausgezahlt wird, sank der Preis für die Bauer weiter. Von August bis jetzt sind das 5 Eurocent weniger pro Liter. Der Zuschlag von 3 Eurocent fängt den weiteren Verlust also nicht auf. Der Bauernbund ist der Ansicht, dass man dringend eine Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage suchen müsse.