Jodversorgung bei Reaktorunfall - Belgien will sich organisieren

Die Niederlande wird in einem Umkreis von 100 Kilometern von Atomkraftwerken Jodtabletten an schwangere Frauen und junge Leute verteilen. Das gilt auch für Niederländer, die in einem Umkreis von 100 Kilometern der umstrittenen belgischen Atomkraftwerke Tihange 2 und Doel 3 wohnen.

In Atomkraftwerken entstehen mehrere radioaktive Varianten (Isotope) von Jod. Bei einem atomaren Unfall können diese vor allem über Nahrung und Atemluft in den Körper gelangen. Dort wird es wie gewöhnliches Jod in der Schilddrüse gespeichert und verstrahlt die umliegenden Zellen, mit möglicherweise Krebs als Folge.

Die Einnahme von Kaliumjodidtabletten verhindert die Speicherung von radioaktivem Jod in der Schilddrüse. Bei einem atomaren Unfall wird deshalb empfohlen, dass vor allem Babies, Kinder und junge Leute Jodtabletten einnehmen.

In Belgien denkt man an die gleiche Maßnahme, wie jetzt in den Niederlanden angeregt wurde. Noch ist jedoch unklar, wie die Vergabe der Jodtabletten im Detail in Belgien organisiert werden soll. 

Doktor Lodewijk Van Bladel von der der belgischen Atomaufsicht FANC sagte im VRT-Radio hierzu: "Wie wir genau die Verteilung handhaben und ob wir das über die Apotheken laufen lassen, wie das derzeit der Fall ist oder zum Beispiel über die Schulen, ist noch offen. Man kann das zum Beispiel in Zusammenarbeit mit den Schulbehörden machen und für die Krippen könnte das zum Beispiel in Zusammenarbeit mit der flämischen Familienbehörde 'Kind en Gezin' (dt.: 'Kind und Familie') geschehen."

Immer mehr Menschen im Umkreis machen sich Sorgen

Unterdessen machen sich stets mehr Menschen aus der  DreiländerRegion Sorgen über die Möglichkeit eines atomaren Unfalls in Tihange. Der Reaktor wird infolge mehrerer Probleme abwechselnd herunter- und wieder hochgefahren.

Im Februar dieses Jahres war der Städteregionsrat Helmut Etschenberg noch beim belgischen Innenminister Jan Jambon in Brüssel, um über dieses Thema zu sprechen.

Der Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens, Oliver Paasch, hatte in seiner Funktion als Vorstandvorsitzender der Stichting Euregio Maas-Rhein für Vertreter der Provinz Limburg und der Region Aachen das Gespräch arrangiert. Auch NRW-Staatssekretär Peter Knitsch, sowie Vertreter der Provinz Lüttich und des Euregiorates waren vor Ort, um über die Sicherheit des Atomkraftwerks zu sprechen. „Wir müssen diese Ängste ernst nehmen, die sich mittlerweile über das gesamte Rheinland, Kommunen aus den Niederlanden und Gebietskörperschaften aus Rheinland-Pfalz erstrecken“, sagte Etschenberg damals im Anschluss an das Ministergespräch auf einer Pressekonferenz.