Brüssel-Vorst: Verdächtige weiter auf der Flucht

In der vergangenen Nacht konnten die Sondereinheiten der belgischen Polizei ihre Anti-Terroraktion abrunden. Nach der Schießerei am Dienstag durchsuchten Spezialeinheiten der Polizei mehrere Wohnungen und Häuser im Brüsseler Stadtteil Vorst und verhaftete dabei zwei weitere Verdächtige. Noch am Mittwoch wird der Nationale Sicherheitsrat zusammenkommen, um über die Lage in der belgischen Hauptstadt zu beraten.

Nach der Schießerei zwischen Terrorverdächtigen und belgischen sowie französischen Polizisten am Dienstagnachmittag in der Driesstraat in Vorst wurden in der Nacht zum Mittwoch weitere Wohnungen durchsucht und zwar im Neerstalsesteenweg. Diese Aktion konnte noch in der Nacht abgerundet werden. Dabei wurd in der vergangenen Nacht zwei weitere Verdächtige festgenommen.

Am Dienstagnachmittag hatten sechs Polizisten im Zuge der Ermittlungen zu den Terroranaschlägen vom 13. November 2015 in Paris in Vorst eine Wohnung durchsuchen wollen.

Die Beamten, darunter auch französische Kollegen, wurden ohne Vorwarnung durch die Wohnungstür hindurch, beschossen. Dabei wurden zwei Personen leicht verletzt - darunter eine französische Polizistin und zwei weitere Polizisten wurden in Schockzustand in ein Krankenhaus eingeliefert.  Bei der Schießerei kam einer der Verdächtigen ums Leben. Dabei handelt es sich im einen 26 Jahre Algerier mit Namen Mohammed Belkaid, der sich illegal in Belgien aufhielt. Der Mann war der Justiz im Zusammenhang mit radikalem Islam oder Terrorverdacht unbekannt.

Bei der Aktion konnten zwei weitere Verdächtige unerkannt entkommen, nach denen in der vergangenen Nacht offenbar erfolgreich gefahndet wurde. Bundesinnenminister Jan Jambon (N-VA) wollte am Mittwochmorgen zum weiteren Stand der Ermittlungen nichts bekannt geben.

Gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion verwies er Mittwochfrüh auf eine entsprechende Pressekonferenz der Bundesstaatsanwaltschaft am Mittwochmorgen: „Die Gefahr ist groß, dass ich sonst den laufenden Untersuchungen zuvorkomme.“

Pressekonferenz

Am Mittwochmittag gab die Bundesstaatsanwaltschaft in diesem Zusammenhang dann ihre Pressekonfernz. Dabei wurden mehr Details bekannt. Danach fanden die Ermittler in der Wohnung in der Driesstraat eine Riot-Gun, salafistisches Propaganda-Material, eine IS-Flagge und zahllose teilweise geladene Kalaschnikov-Magazine und Patronenhülsen.

Bei weiteren Haussuchungen wurden weitere geladene Magazine für Maschinengewehre gefunden. Im Laufe des Dienstags wurde ein Verdächtiger ins Krankenhaus von Halle in Brüssel eingeliefert. Der Mann wurde sofort an einem Beinbruch operiert und steht unter polizeilicher Bawachung.

In einer durchsuchten Wohnung wurde zudem eine weitere Person zum Verhör abgeführt. Nähere Details zu deren Identität wurden aus Ermittlungsgründen nicht freigegeben. Nur so viel: Es sich handelt sich bei ihnen nicht um die beiden Flüchtigen aus Vorst. Nach diesen beiden Verdächtigen wird noch gefahndet. Am späten Nachmittag wurden die beiden Verdächtigen nach Verhören freigelassen.

Michel reagiert

Inzwischen reagierte auch Belgiens Premierminister Charles Michel (MR) auf die Ereignisse. Am Dienstagabend bedankte sich der Regierungschef bei der Brüsseler Bevölkerung, dass sie in diesem neuerlichen Terrorfall die Ruhe bewahrte. Schließlich waren mehrere Stadtviertel in der Umgebung des Tatorts gesperrt worden.

Das betraf auch mehrere Schulen und Kindergärten in Vorst und auch das Audi-Werk. Dort wurde die Tagesschicht am Dienstagnachmittag gebeten, das Werk so lange nicht zu verlassen, bis dass die Behörden dazu grünes Licht gaben… Premier Michel war aber deutlich: „Vorst hätte ein Drama werden können.“

Michel gab an, dass es sich bei dem Vorfall um Ermittlungen in Zusammenhang mit den Anschlägen in Paris gehandelt habe und dass die belgische Polizei die betroffene Wohnungen nach Hinweisen der französischen Kollegen durchsuchen wollten. Auf Vermutungen, dass man hier offensichtlich auf eine weitere „schlafende Terrorzelle“ gestoßen sei, wollte er nicht eingehen.