Pariser Anschläge: Abdeslam gesteht Teilnahme

Salah Abdeslam wurde am frühen Freitagabend im Brüsseler Stadtteil Molenbeek, der als Islamistenhochburg bekannt ist, angeschossen, leicht verletzt und festgenommen. Die Brüsseler Staatanwaltschaft erhob Anklage gegen ihn wegen Mittäterschaft an terroristischen Morden und Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation. Am Samstagabend wurde in die Haftanstalt von Brügge überwiesen.
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Abdeslam, Franzose marokkanischer Abstammung, aber aufgewachsen in Brüssel, spielt, wie sich bei den ersten Verhören zeigte, tatsächlich eine Schlüsselrolle bei der Ausführung der Pariser Attentate. Er war gesucht worden, weil er Mietautos und Zimmer für die Terrorzelle organisiert haben soll. Am 13. November soll er die Attentäter, die sich vor dem Stade de France in die Luft gesprengt haben, mit einem Auto zu dem Stadion gefahren haben.

Im Verhör gestand er das am gestrigen Samstag auch den belgischen Ermittlern. Außerdem habe er sich selbst auch in die Luft sprengen wollen, habe es sich aber dann anders überlegt und einen Rückzieher gemacht. Warum, das gelte es noch genau zu klären, sagte gestern der französische Staatsanwalts François Molins (Foto).

Abdesalam habe auch zugegeben, im Juli, September, Oktober und November in verschiedenen europäischen Städten gewesen zu sein. Er habe andere in die Anschläge verwickelte Attentäter transportiert und auch Sprengstoffzünder besorgt.

Noch am Freitagabend hatte Frankreichs Präsident François Hollande gefordert, Abdeslam müsse „so schnell wie möglich (an Frankreich) ausgeliefert werden“. Doch das könnte aber noch Wochen dauern: Gestern erklärte Abdeslams Verteidiger Sven Mary, sein Mandant wolle sich dagegen wehren. Abdeslam kooperiere mit der belgischen Justiz. Wenn er zu reden beginne, könnte dies bedeuten, dass Abdeslam länger in Belgien bleibe, sagte der belgische Staatsanwalt Eric Van der Sypt.

Stade de France

Salah Abdeslam wollte sich am 13. November laut der französischen Staatsanwaltschaft bei den Angriffen in Paris ebenfalls in die Luft sprengen.

Nachdem er die anderen Attentäter, darunter seinen Bruder Brahim, zu Anschlagsorten gefahren hatte, soll er jedoch seinen Sprengstoff weggeschmissen haben. Er selbst sei am Stade de France gewesen, wo das Länderspiel Deutschland gegen Frankreich stattfand. Die Ermittler gehen nach Behördenangaben inzwischen zweifelsfrei davon aus, dass der zehn Tage nach den Anschlägen im Pariser Vorort Montrouge gefundene Sprengstoffgürtel - wie zunächst nur vermutet - tatsächlich von Abdeslam abgelegt wurde.

Dem französischen Staatsanwalt Molins zufolge war Abdeslam an der Ankunft von "Terroristen in Europa" beteiligt. Dazu hätten mehrere Aufenthalte in Italien, Griechenland, Ungarn, Österreich, Deutschland, den Niederlanden und in Frankreich im vergangenen Sommer und Herbst gedient.

Nach der Ergreifung von Abdeslam wird nun noch nach zwei Verdächtigen gefahndet, die an den Anschlägen beteiligt gewesen sein sollen. Einer von ihnen ist Mohamed Abrini, der andere Soufiane Kayal, allerdings ist dessen Identität nicht genau geklärt. Die internationale Polizeibehörde Interpol rief alle Mitgliedsländer zu erhöhter Wachsamkeit bei Grenzkontrollen auf, um eine Flucht möglicher Komplizen zu verhindern.

Geheimhaltungspflicht

Dass der französische Staatsanwalt aus den Verhören Abdeslams durch die belgischen Ermittler zitiert, ist absolut außergewöhnlich. Solange das Ermittlungsverfahren nicht abgeschlossen ist, gilt nämlich eine Geheimhaltungspflicht.

Allerdings betonte Staatsanwalt Molin, die ersten Aussagen des mutmaßlichen Terroristen seien mit Vorsicht zu genießen.