"Informationen von unschätzbarem Wert"

Nach Angaben seines Anwalts hat der am Freitag in Brüssel festgenommene mutmaßliche Paris-Attentäter Salah Abdeslam „Informationen von unschätzbarem Wert“ für die Ermittlungen. Dass er eine Kronzeugenregelung wolle, habe er nie behauptet, so Anwalt Sven Mary (Foto) am Montagmorgen gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion.
Aurore Belot

Die flämische Tageszeitung Het Laatste Nieuws meldete in ihrer Montagsausgabe, dass sich Salah Abdeslam im Gegenzug für strafmildernde Umstände als Kronzeuge angeboten habe. Gegenüber der VRT sagte Abdeslams Anwalt Sven Mary am frühen Montagmorgen, dass er dies so nicht gesagt haben wolle: „Das verbreitet sich sehr schnell. Ich habe nie gesagt, dass er Kronzeuge werden wollte.“

Er habe vor allem gesagt, so Mary, dass er Informationen von unschätzbarem Wert habe und zwar für jeden Beteiligten in dieser Akte: „Sowohl für Anwälte, als auch für Polizisten und Richter. Ich wollte vor allem erreichen, dass der Staatsanwalt in Frankreich durch seine Erklärungen nicht dafür sorgt, dass mein Mandant gar nichts sagen wird.“

Anwalt Mary geht davon aus, dass Salah Abdeslam an Frankreich ausgeliefert werden wird. Aber, so der Anwalt, habe man sich von den Franzosen keine Lektionen zu den Fakten vom 13. November erteilen zu lassen: „Es gibt keinen Grund dafür, dass er nicht nach Frankreich gehen soll. Das einzige, was ich derzeit vom europäischen Haftbefehl gegen ihn will, ist die Legalität zu kontrollieren. Das ist meine Aufgabe als Anwalt. Das hat nichts mit Zeit schinden zu tun. Der Untersuchungsrichter wird beschließen, wann er gehen wird.“

Sven Mary weiß noch nicht, ob er auch in Frankreich noch Abdeslams Anwalt sein wird. Er treffe seinen Mandanten an diesem Montagabend erst zum zweiten Mal: „Ich muss erst mit ihm sprechen. Wir müssen hören, was er alles zu erzählen hat. So, wie er am Samstag angefangen hat, geht das in die richtige Richtung. Er arbeitet schon seit Samstag mit.“

Salah Abdeslam, Sohn marokkanischer Eltern, ist zwar in Brüssel aufgewachsen, doch er hat die französische Staatsbürgerschaft. Zudem werden ihm in Frankreich in Zusammenhang mit den Anschlägen vom 13. November 2015 schwerste Straftaten dort vorgeworfen. Schon dadurch wird es unmöglich sein, seine Auslieferung an die französische Justiz zu verhindern.

Aurore Belot