Update: Terroranschläge in Brüssel

Am Dienstag teilte die Feuerwehr von Brüssel mit, dass in Zaventem 14 Menschen ums Leben kamen und in der Metro-Station Maalbeek starben nach offiziellen Meldungen ebenfalls 20 Menschen. Bei den Anschlägen wurden dutzende Menschen verletzt. Angesichts der Schwere mancher Verletzungen muss mit weiteren Todesopfern zu rechnen sein.

Inzwischen ist deutlich, dass es sich um Anschläge gehandelt hat. Am Flughafen von Zaventem explodierten gegen 8 Uhr am Morgen zwei Sprengsätze. Dabei handelte es sich um einen Selbstmordanschlag und um einen explodierten Koffer. Dabei kamen 14 Personen ums Leben und 81 wurden zum Teil schwer verletzt.

Kurz nach 9 Uhr explodierte ein weiterer Sprengsatz in einem U-Bahn-Zug in der Metrostation Maalbeek in der Nähe des Regierungsviertels. Dieser Anschlag hatte eine enorme Rauchentwicklung zufolge. Deshalb dachte man zuerst, dass auch die Metrostationen Schuman und Kunst-Wet betroffen waren, doch dort kam der Rauch aus dem Tunnel heraus.

Die MIVB meldete etwas später, dass sich bei den Opfern in Maalbeek um 15 Tote, 10 Schwerverletzte und um 45 leicht Verletzte handelt. Diese Zahl erhöhte sich im Laufe des Tages auf 20 Tote und 106 zum Teil schwer Verletzte.

Brüssel ist seit Dienstagmorgen lahmgelegt. Die Regoierung hat einen kompletten „Lock Down“ veranlasst, der im Laufe des Vormittags auf das ganze Land ausgeweitet wurde. Kurz nach dem ersten Anschlag wurde die Terrorwarnstufe in Belgien auf Niveau 4 angehoben - die höchstmögliche Warnstufe in Belgien.

Das politische Leben liegt still, denn alle Sitzungen sind abgesagt. Große Einkaufszentren wurden geschlossen oder öffneten erst gar nicht. Die Schulen, Unis oder Hochschulen haben sich von innen eingeschlossen und die Schüler und Studenten, die in ihren Instituten sind, bleiben drinnen. Viele Arbeitnehmer schafften es erst gar nicht zu ihren Arbeitsplatz.

In der Nähe des Königspalast am Warandepark wurde ein verdächtiges Kleiderbündel vom Minenräumdienst der Armee (DOVO) kontrolliert zur Explosion gebracht. Man wollte hier kein Risiko eingehen und sprengte das Bündel, das sich aber nicht als Bombenpaket erwies.

Weitere Entwicklungen

An der belgisch-deutschen Grenze wird seit den Stunden nach den Anschlägen in Brüssel scharf kontrolliert. Das betrifft sowohl die Grenzübergänge in NRW im Kreis Aachen und Nordeifel, als auch die Übergänge in Rheinland-Pfalz im Raum Prüm-Bitburg-Trier. Die Pendler müssen mit längeren Wartezeiten rechnen. Das Auswärtige Amt in Berlin richtete am Dienstag einen Krisenstab ein und rät Landsleuten, die sich in Brüssel aufhalten, dazu, Vorsicht walten zu lassen und sich wachsam innerhalb der belgischen Hauptstadt zu bewegen.

Gegen 15 Uhr am Dienstag forderten die EU-Behörden ihr in den Räumlichkeiten der Kommission im Berlaymont-Gebäude dazu auf, nach Hause zu gehen. Diese Evakuierung hatte keine akute Bedrohung zum Anlass, sondern galt offenbar lediglich der Sicherheit des Personals.

Im Laufe des Dienstags wurde auch die Sicherheitswarnstufe am Nato-Hauptquartier verschärft. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg zeigte sich erschüttert darüber, dass der Terror jetzt auch in Brüssel angekommen ist: „Ich bin von den Anschlägen hier in Brüssel am Morgen tief getroffen. Die menschliche Bilanz ist hier tragisch. Wir fühlen uns mit unseren Alliierten Belgien heute sehr verbunden.“

Inzwischen haben die Brüsseler Taxiunternehmen beschlossen, den ganzen Tag kostenlos Fahrgäste zu befördern. Sie folgten damit dem Aufruf des Bundesverbandes der Taxiunternehmen, betroffene Personen aus den neuralgischen Gebieten um Maalbeek und Zaventem wegzufahren.

Die Freie Universität Brüssel (VUB) hat ihre Studenten dazu aufgerufen, das Institut zu verlassen. Damit folgt die Uni einem Aufruf der belgischen Sicherheitsbehörden. Ob dies mit einer Anschlagsdrohung zu tun hat, wurde nicht deutlich.

Die belgischen Kernkraftwerke Tihange bei Huy in der Provinz Lüttich und Doel bei Antwerpen worden verstärkt bewacht. Alle Fahrzeuge und Personen, die die Anlagen erreichen, werden strengstens kontrolliert. Seit dem vergangenen Wochenende werden diese Anlagen im Zuge des belgischen Sicherheitsplans ohnehin schon von der Armee bewacht.

Premierminister Charles Michel (MR) und einige Minister seines Kabinetts haben ihren Staatsbesuch in China aufgrund der dramatischen Ereignisse in Brüssel abgesagt.

In der belgischen Hauptstadt Brüssel wurden für den Dienstagabend alle vorgesehenen Konzerte annulliert. Auch die Theater und die Kinos bleiben bis auf weiteres geschlossen.