"Schwarzer Tag in der belgischen Geschichte"

Nach diesem „schwärzesten Tag für Belgien im noch jungen Jahrhundert“ widmen sich alle Schlagzeilen und Kommentare den Terroranschlägen auf Brüssel. Dass es hier zu einem Anschlag kommen würde, war vielen klar. Es war nur eine Frage des „Wann?“ und des „Wo?“. Wie geht es jetzt weiter mit Belgien nach diesem Schicksalsschlag?

„Beginn eines neuen Zeitalters“

„Der 22. März ist der Beginn eines neuen Zeitalters mit einem Gefühl, nirgends mehr sicher zu sein. Sicherheitsmaßnahmen an sich reichen nicht aus. Einfache Machtdemonstrationen sind sogar eine ohnmächtige Waffe“, schreibt das flämische Wirtschaftsblatt De Tijd, die weiter auf das gesellschaftliche Problem der Parallelgesellschaften eingeht. „Jugendliche, die mit Syrienhelden sympathisieren und andere Terroristen für Stars halten sind ein immenses Gesellschaftsproblem. Wir bekommen den Terrorismus nur dann in den Griff, wenn sich die gesamte Gesellschaft, inklusive der Moslems, hinter EINE Herangehensweise schart. Mit Polarisierung kommen wir nicht weiter.“

Die Anschläge auf Brüssel sind in den Augen von De Tijd auch Anschläge gegen Europa: „Auch die Antwort darauf muss europäisch sein. Dies verstärkt den Ruf nach einem einheitlichen Nachrichtendienst und einer einheitlichen Verteidigung. Trotz aller Wut und Trauer müssen wir wieder aufstehen und unsere Freiheiten, unsere Normen und unsere Werte verteidigen und um unser Leben zu leben.“

„Es gibt keinen Weg zurück“

Für unser Land wird der 22. März 2016 nach Ansicht von De Standaard zu einem Tag, nach dem alles anders wird: „Nichts wird mehr sein, wie früher. Wir haben uns nach Paris und dem Lock Down von Brüssel im Laufe der Zeit wieder daran gewöhnt, wie es davor war. Das geht jetzt nicht mehr. Es gibt keinen Weg mehr zurück. Unvermeidlich wird unser Leben durch noch mehr von Sicherheitsmaßnahmen und Einschränkungen unserer Bewegungsfreiheit und unser Privacy gekennzeichnet. Im Krieg gelten andere Regeln und dies ist Krieg. Ein Krieg, in dem der fanatische Gegner keine Regeln kennt.“

Aber, wir müssten auch nach solchen Anschlägen Respekt für unsere Demokratie mit ihren Normen und Freiheiten verlangen: „Die große Betroffenheit, die den Anschlägen jetzt folgt, kann dabei ein wichtiges Ventil sein. Die Moslemgemeinschaften müssen dabei eine große Rolle spielen. Nicht, weil sie verdächtig sind, sondern weil wir gemeinsam eine Gesellschaft bilden wollen.“

„Eine neue Realität“

De Morgen geht davon aus, dass „unser Land in einer neuen Realität angekommen ist. Für den IS ist auch Belgien ein Teil des Schlachtfeldes.“ Die Frage ist jetzt, ob wir nicht ein ‚bisschen anders‘ leben werden müssen. Hier sei jetzt entscheidend, wie wir dieses ‚anders Leben‘ in Einklang mit unseren Normen und Werten einer freien, offen und ausgeglichenen Gesellschaft bringen können:

„Durchgeknallte Jugendliche mit einem Fuß in der Kriminalität dürfen jetzt nicht glauben, dass sie als Nachfolger der Abdeslams und der Abbaaouds dieser Welt eine zweite und heldenhafte Karrierechance haben.“ Wir können dem nur Einhalt bieten, wenn wir dieser Art von Jugendlichen schon vorher eine Alternative für deren Gefühl der Entwurzelung und Entfremdung bieten, beschließt das Blatt.

Freiheit und Krieg

Auch die anderen im belgischen Bundesland Flandern erscheinenden Tageszeitungen widmen sich den Anschlägen von Dienstag.

In Het Nieuwsblad heißt es, dass sich die Welt nicht wirklich mehr ändere und überall geschehen das gleiche: „New York, Madrid, London, Paris und jetzt Brüssel. Fügen Sie noch die Städte hinzu, die weniger ikonische Fotos bieten, aber wo das Blut die Straßen ebenso rot färbt.“

Es liege vor der Hand, dass Brüssel vielleicht sogar noch mehr als Paris, das Symbol für unsere demokratischen Werte sei und damit den terroristischen Psychopathen ein Dorn im Auge, schreibt Het Belang Van Limburg dazu.

Gazet Van Antwerpen geht davon aus, dass wir jetzt mit mehr Einschränkungen unseres Privatlebens und mit mehr Polizei auf der Straße leben müssen, denn jetzt herrsche Krieg „und das erfordert besondere Maßnahmen. Aber lasst uns diesen Krieg bitte einmütig führen!“

Die Redaktion der Gratiszeitung für die Nutzer der öffentlichen Verkehrsmittel, Metro, gab an, am Dienstag zunächst sprachlos gewesen zu sein: „Auf dem Weg zur Arbeit, zur Familie oder zu einer sonnigen Bestimmung. Oder mit einem anderen Ziel. Aber in einem gemeinsam: nichts vermutend und unschuldig. Und danach sah unsere Welt nach einigem Knallen völlig anders aus.“