Anschläge in Brüssel: Viele kleine und große Folgen

Nach dem Tag der Anschläge in Zaventem und Brüssel versucht Belgien wieder in ein normales Leben zurückzufinden. Doch das ist nicht so einfach, denn der Schock sitzt tief. Die Folgen davon treffen den ganz normalen Alltag der Belgier, z.B. im Sport oder bei der Nutzung der Kommunikationswege. Die, die von den Anschlägen betroffen waren, haben ganz andere Probleme.
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Überlastete Mobilfunknetze

Belgiens Minister für Telekommunikation, der flämische Liberale Alexander De Croo (Open VLD - Foto), bittet die in Belgien aktiven Telekomanbieter um eine gründliche Analyse der Netzprobleme am Dienstag nach den Anschlägen. Aufgrund der durch diese Analysen gewonnen Erkenntnisse will sich der Minister mit dem Sektor an einen Tisch setzen, um aus den Fehlern von gestern zu lernen und die nötigen Schlüsse daraus zu ziehen.

Am Dienstag brachen die Mobilfunknetze fast völlig zusammen, worunter auch die über die Anschläge berichtenden Medien aus dem In- und Ausland litten, deren Übertragungen und mobile Kontakte zeitweise sehr problematisch verliefen.

Gestrandete Flugreisende

Die Stadt Löwen (Flämisch-Brabant) hatte sich am Dienstag spontan dazu bereiterklärt, sich um gestrandete Fluggäste zu kümmern, die durch den Anschlag auf den nahegelegenen Flughafen Zaventem an ihrer Ab- oder Durchreise gehindert wurden. Rund 1.300 Menschen aus der ganzen Welt wurden dazu zunächst in dem kleinen Konzertsaal „Het Depot“ gegenüber dem Löwener Bahnhof registriert, um danach in die riesige Brabanthalle (Foto) gebracht zu werden.

Dort übernachteten letztendlich nach Angaben der Stadtverwaltung etwa 1.000 Menschen. Die anderen in Löwen gestrandeten Passagiere hatten aus eigener Kraft eine Lösung für ihr Problem gefunden. Sie profitierten z.B. von kostenlos zur Verfügung gestellten Hotelzimmern in Brüssel oder begaben sich per Taxi zu Flughäfen in den Nachbarländern. Zaventem ist täglich für tausende Transitreisende eigentlich nur eine Zwischenstation…

Am späten Mittwochnachmittag brachten Reisebusse viele dieser Reisenden im Auftrag von Brussels Airlines zu Flughäfen in Deutschland, Frankreich, Luxemburg und den Niederlanden.

Stefanie und Nidhi

In den Medien und den sozialen Netzwerken kursiert seit Dienstag ein Foto, das zwei Frauen kurz nach den beiden Explosionen im Flughafen von Zaventem zeigt. Beide Frauen sind leicht verletzt, zeigen sich schockiert und die eine versucht verzweifelt, Kontakt mit der Außenwelt aufzunehmen. Das Bild verbreitete sich so schnell, dass es an das Foto der „Dust Lady“ nach 9/11 in New York erinnerte. Inzwischen ist bekannt, wer die beiden Frauen sind.

Die Frau auf der Bank ist Nidhi Chaphekar aus Indien. Sie arbeitet für die am Brussels Airport aktive indische Fluggesellschaft Jet Airways. Sie war am Dienstag gemeinsam mit ihren Crewkollegen auf dem Weg zu ihrem Flugzeug, dass eigentlich nach später noch nach New York fliegen sollte. Die Mutter von zwei Kindern liegt in einem Krankenhaus, ist aber nicht in Lebensgefahr.

Die junge Frau am Handy heißt mit Vornamen Stefanie und kommt aus Hoeilaart in der Provinz Flämisch-Brabant. Sie wurde nur leicht verletzt und kehrte wieder nach Hause zurück. Mehr wollte sie nicht dazu sagen, außer, dass sie nie im Leben damit gerechnet habe, auf den Titelseiten von internationalen Tageszeitungen zu erscheinen… Das Foto nahm übrigens die georgische Journalistin Ketevan Kardava auf, die in Brüssel für den dortigen öffentlich-rechtlichen Rundfunk arbeitet.

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Keine Postzustellung per Flugzeug

Die belgische Post (bpost) kann derzeit keine Briefe oder Pakete per Luftpost befördern, weil der Flugverkehr am von den beiden Explosionen am Dienstag noch immer stillliegt. Das wird nach aller Voraussicht auch am Donnerstag noch der Fall sein.

Der Cargo-Bereich am Brussels Airport, Brucargo, ist von der Stilllegung ebenfalls betroffen. Inzwischen fertigen die regionalen Flughäfen in Belgien - Deurne/Antwerpen, Charleroi, Bierset/Lüttich – viele Flüge ab, die eigentlich Zaventem anfliegen sollen. Rund 40 Flüge waren und sind am Mittwoch davon betroffen.

Länderspiel Belgien-Portugal in Leria

Nach den Terroranschlägen von Brüssel ist das für Dienstag, den 29. März geplante Fußball-Länderspiel zwischen Belgien und Portugal abgesagt worden. Die Stadt Brüssel habe aus Sicherheitsgründen und als Vorsichtsmaßnahme darum gebeten, teilte der belgische Fußballverband KBVB am Mittwochvormittag dazu mit.

Die Fans der belgischen Nationalmannschaft - die Roten Teufel, die online ein Ticket beim KBVB gekauft haben, werden per Email darüber informiert, wie sie das Geld für diese Eintrittskarten zurückbenommen sollen.

Im Laufe des Tages wurde allerdings bekannt, dass das Freundschaftsspiel doch stattfinden wird. Als der portugiesische Fußballverband von der Spielabsage für Brüssel hörte, bot er an, die Partie dort auszutragen. Das bedeutet, dass sich die beiden Nationalmannschaften im Stadion von Leiria in Portugal treffen werden. Der KBVB nahm die Einladung an und bedankte sich für die Solidarität und die Flexibilität der Portugiesen in diesen „für Belgien so schweren und emotionalen Zeiten“.

„Quer durch Flandern“ gestartet

Der traditionsreiche Frühjahrsklassiker „Quer durch Flandern“ (Dwars door Vlaanderen) ist am Mittwochmorgen gestartet. Den Radsportteams stand frei, teilzunehmen oder nicht oder auf die Ereignisse des Vortages einzugehen.

Einige Teams sagten ab, andere starteten mit kleinerer Mannschaft. Alle Fahrer gingen mit einem schwarzen Trauerband am Arm. Vor dem Start und kurz nach dem Start stoppte das Peloton, um jeweils eine Schweigeminute zum Gedenken an die Opfer der Anschläge in Brüssel einzulegen.

Französische Politiker in Brüssel

An einigen der Gedenkfeierlichkeiten und Schweigeminuten für die Opfer der Anschläge auf Brüssel und Zaventem am Dienstag nahmen auch einige Politiker aus Frankreich teil. Unter anderem war Anne Hidalgo, die Bürgermeisterin von Paris, bei einem Gedenken an der Seite von Brüssels Bürgermeister Ivan Mayeur (PS) am Börsenplatz zugegen (Foto).

Belgiens Premier Charles Michel (MR) traf sich am Mittwoch in Brüssel mit seinem französischen Amtskollegen Manuel Valls und mit dem EU-Kommissionsvorsitzenden Jean-Claude Juncker ebenfalls zu einem Gedenkmoment vor der Börde. An diesem Treffen nahm auch das belgische Königspaar teil.

Der Platz an der Börse hat sich seit Dienstag zu einem ähnlichen Gedenkort entwickelt, wie der Place de la République in Paris nach den dortigen Anschlägen im November 2015.