Hatten Terroristen ursprünglich Atomkraftwerk im Visier?

Indem die Fahnder beim Einsatz im Brüsseler Stadtteil Vorst und bei der Festnahme von Salah Abdeslam und seinem Komplizen Choukri in Molenbeek, einen Teil der Terrorzelle ausgehoben haben, haben sie vielleicht dazu beigetragen, dass ein noch größerer Anschlag verhindert worden sei, heißt es in der französischsprachigen Zeitung La Libre Belgique.

Mit dem Schlag gegen das Terrornetz hätten die Behörden die Terrorzelle, die hinter den Anschlägen von Brüssel steckten, unter Druck gesetzt, so dass diese ihre Aktion beschleunigte und sich von ihren ursprünglichen Zielen, darunter auch das belgische Nuklearsystem, abwandte.

Die Zeitung La Libre Belgique (Online-Ausgabe) basiert sich auf Informationen einer anderen französischsprachigen Zeitung, La Dernière Heure. Danach habe es sich bei den beiden Personen, die sich die geheimen Videobilder vor dem Haus des Leiters des Forschungs- und Entwicklungsprogramms für Kernenergie in Belgien besorgt hatten, um die beiden Brüder Ibrahim und Khalid El Bakraoui gehandelt. Ersterer hat sich in Zaventem in die Luft gesprengt, Letzterer in der U-Bahn in Maalbeek.

Das Video war mit einer versteckten Kamera aufgenommen worden. Die beiden Männer hatten sich das Video kurz nach den Attentaten in Paris zurückgeholt. Dies zeige die weitreichenden Verbindungen zwischen Frankreich, Belgien und Syrien, heißt es in der Zeitung.

Das Video, das um die zehn Stunden Material enthalten soll, wurde letzten Dezember bei einem der Verdächtigen namens Mohamed Bakkali im Zusammenhang mit den Attentaten von Paris gefunden. Das Video zeigt, das Ein- und Ausgehen des Chefs des belgischen Forschungs- und Entwicklungsprogramms für Kernenergie. Trotz der Beschlagnahme des Videos, wurde den Fahndern erst später klar, das das Ziel der Terroristen eine nie zuvor gesehene Gefährdung der nationalen Sicherheit gewesen sein muss.

Nach der Offenlegung dieser Information, am 17. Februar 2016, wurden 140 Soldaten zur Sicherung der Atomkrafwerke  abgeordert. "Man darf sich fragen, ob das die Terroristen nicht dazu gebracht hat, ihre Pläne zu ändern und sich 'einfachere' Ziele auszusuchen, wie eine U-Bahnstation und einen Flughafen", begründet die Zeitung ihre Vermutung.