Wer sind die Hooligans, die am Sonntag vor der Börse randalierten?

Die Bilder der schwarz gekleideten Männer, die am Sonntag auf dem Börsenplatz randalierten gingen um die Welt. Die friedliche Wache von trauernden Bürgern wurde gewaltsam gestört. Doch wer sind diese Randalierer und wer hat sie angestiftet?

Zu hunderten waren sie vom Stadtrand nach Brüssel gekommen, schwarz gekleidet und teilweise mit Schals vermummt. Brüllend und grölend, zum Teil schwer angetrunken, zogen sie auf den Börsenplatz. Gegen den Terror wollten sie demonstrieren, dabei terrorisierten sie die, die still und im Gedenken an die Opfer der Anschläge von Brüssel und Zaventem trauern wollten.

"Du lässt Dein Land im Stich", riefen sie und tauschten damit ihre Parole gegen einen Spruch, den sie normalerweise bei Fußballspielen brüllen, nämlich "Du lässt Deinen Verein im Stich". Mit diesem Spruch versuchen sie für gewöhnlich, ihren Gegner zu ärgern. Am Sonntag demonstrierten jedoch Fußballanhänger verschiedener Vereine gemeinsam gegen Terror. Das war zumindest ihre Absicht.

Im Keller eines Löwener Kaffees hatten die Anführer des harten Kerns von Club Brügge, Anderlecht und Stadaard vereinbart, dass man keine Gewalt und keine rassistischen Sprüche in der Demo zulassen wolle.

"Hooligans, das war ein Phänomen der 80er und 90er Jahre. Wir dachten, das sei aus der Mode, das Phänomen sei verschwunden und dann sind sie auf einmal wieder da", erklärt der Sportsoziologe Bart Vanreusel von der Katholischen Universität Löwen in einem VRT-Interview mit "Terzake".

"Man könnte auch von Vintage-Hooligans sprechen, die sich der Fußballsymbole aus dieser Zeit bedienen, casuals etc. Und dann finden sie plötzlich zusammen, obwohl sie normalerweise Gegner sind. Hooligans leben vom Konflikt und sie brauchen einen Feind und den haben sie plötzlich neu entdeckt, aber auf einem ganz anderen Gebiet", erklärt Vanreusel, ohne deren Verhalten jedoch entschuldigen zu wollen.

"Dumm!"

Und an der Börse ist das Ganze dann auch häßlich aus dem Ruder gelaufen. Nach den Anschlägen war das der Ort in Brüssel, an dem die Menschen den Opfern gedachten. "Zwischen den Jungens herrscht Solidarität, aber die Wut ist auch sehr groß. Das kennen wir alle, aber das hier war absolut daneben, zum verkehrten Zeitpunkt und mit den verkehrten Ausdrücken. Das, was die gemacht haben, geht gar nicht. Ich nenne das einfach dumm!"

"Die Auschreitungen waren nicht unser Fehler", lassen jede Menge Hooligans in den sozialen Medien wissen. Die Linksextremen hätten sie herausgefordert.

Doch von welcher Bedrohung sprechen sie? Von den gemeinsamen Rufen "Nein gegen Hass!" ?

Mit "Laat je land maar niet in de steek" (dt.: Lass Dein Land nicht im Stich) brüllten die Hooligans zurück und fingen an, zu randalieren.

"Die Hooligans, nennen wir sie Störenfriede, suchen den Streit. Und wenn sie nicht herausgefordert werden, fordern sie selbst heraus. Sorry, aber das ist kein Argument", so der Sportsoziologe Vanreusel noch.

"So aggressiv, wie die hier angekommen sind", bezeugt ein Bürger auf dem Börsenplatz, der die offenbar sehr gewaltbereiten Störenfriede miterlebt hat. Und eine andere Frau betont gegenüber einem Demonstranten der Casuals United Belgium: "Das war auch Gewalt!"

Die Demonstration war eine Aktion von Casuals United Belgium. "Wir kommen hierher und der ganze Platz ist voller Menschen. Ein Drittel davon sind wir, aber der Rest hat doch auch getrauert", so Pat, ein Demonstrant von Casuals United Belgium. "Wir sind nicht hierhergekommen, um zu stänkern. Wir wollten nur zeigen, dass wir das auch schlimm finden."

Unter den Demonstranten waren aber auch Mitglieder der rechtsextremen Partei Vlaams Belang. Er sei unabhängig von der Partei bei der Demo gewesen, läßt ein Mitglied wissen.

"Die Hooligans werden oft auch mit einer Ideologie in Zusammenhang gebracht. Das sind die ultrarechten. Das ist in ganz Europa so gewesen und wahrscheinlich beim harten Kern heute auch noch so. Sie zeigen sicher Merkmale von rechtsextremem Gedankengut. Doch viel Ideologie haben die nicht, außer der Ideologie der Konfliktsuche", schließt Vanreusel.

Die Gruppe Casuals United Belgium plant gemeinsam mit rechtsradikalen Jugendlichen aus Frankreich einen weiteren Protestmarsch gegen den Islam am nächsten Samstag, 2. April, in Molenbeek. Die Organisatoren präsentieren sich selbst im Internet: Das werde keine Demonstration, sondern sei eine Kriegserklärung, heißt es dort zum Beispiel.

Die Demonstration ist nicht offiziell beantragt worden. Die Polizei von Molenbeek hat inzwischen wissen lassen, dass sie das Nötige unternehmen werde, um die Sicherheit zu garantieren.

"Demo in Molenbeek wird verboten"

Unterdessen hat die Bürgermeisterin von Molenbeek, Françoise Schepmans, bekannt gegeben, dass die Demonstration am Samstag um 15 Uhr in Molenbeek verboten werde.

Man werde alle möglichen Vorkehrungen mit den anderen Polizeizonen treffen, um die extremistischen Gruppen daran zu hindern, nach Brüssel zu kommen. Die extremistischen Gruppen hätten nichts in Molenbeek verloren, heißt es weiter.

"Wir durchleben eine Zeit, in der man Zurückhaltung und Besinnung an den Tag legen sollte", schließt Schepmans.

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