Hilfeschrei der Polizei: Sicherheitsmängel am Brüsseler Airport

Noch immer ist unklar, wann der Brüsseler Flughafen von Zaventem seinen Betrieb wieder aufnehmen können wird. An diesem Donnerstagmittag um 14 Uhr wollen sich das Innenministerium, der Flughafenbetreiber und die Polizeigewerkschaften erneut hierzu beraten. Vertreter der Flughafenpolizei hatten sich am gestrigen Mittwoch in einem offenen, mehr als fünf Seiten langen Brief an die Regierung gewandt, um auf zahlreiche große Missstände bei der Sicherheit auf dem Flughafen aufmerksam zu machen.

Der Brief stammt von den Polizisten, die auf dem Flughafen Streife laufen, wird aber von zahlreichen Akteuren am Airport mitgetragen, betont der Gewerkschaftsvertreter Jan Adam von der christlichen Gewerkschaft ACV: "Vom gesamten Personal des Polizeiüberwachungsapparats, aber auch von den Grenzkontrollen und sogar von den Menschen, die für den Ablauf im Flughafen zuständig sind, also dem Personal, das nicht zu den Polizeibehörden gehört."

Die Kritik des Briefes an der Sicherheit des Flughafens ist vernichtend. Die Beamte trugen den Brief am Mittwoch unter anderem den Ministern für Inneres und Verkehr, Jan Jambon und Jacqueline Galant, vor. Die Flughafenpolizei spricht von inakzeptablen Bedingungen, unter denen sie arbeiten müsste. Es sei keine Überraschung, dass die Anschläge passiert seien, heißt es. Sie kritisiert vor allem das Missmanagament und Signale, die immer wieder missachtet worden seien.

Außer dem strukturellen Personalmangel, den die Flughafenpolizei schon viel zu lange hingenommen habe, verstehen die Beamte nicht, dass die vier Ebenen des Flughafen-Hauptgebäudes (Bahn, Bus, Abflug und Ankunft) für jeden frei zugänglich seien. Das widerspreche der Praxis zahlreicher anderer Flughäfen weltweit.

Als Beispiel für mangelnde Sicherheit wird auch der Parkplatz vor dem Flughafen auf der Kiss&Fly-Zone genannt und die fehlenden Kontrollen an den Eingängen des Gebäudes.

Eine weitere beängstigende Feststellung ist die verhältnismäßig große Zahl von Flughafenmitarbeitern mit einer schweren kriminellen Vergangenheit. Nach Überzeugung der Ordnungskräfte handele es sich hierbei hauptsächlich um Personal, das auf dem Rollfeld arbeitete. Der Brief holt in diesem Zusammenhang auch gegen die Politik aus: Die Personen hätten dort aufgrund einer in der Vergangenheit geführten Politik der positiven Diskriminierung arbeiten dürfen. "Da hat man die Katze im Sack gekauft." Die Tatsache, dass diese Personen im und in der Nähe des Flughafens, an für die Sicherheit äußerst sensiblen Orten, weiterarbeiten könnten sei umso verblüffender.

Doch auch das schon lange bekannte Problem des Personalmangels bei der Polizei kommt in dem Brief zur Sprache sowie das völlig veraltete Material, mit dem die Beamte arbeiten müssten. So benutze die Polizei gar noch Waffen aus der  Gendarmenzeit und einige ihrer Fahrzeuge hätten überdies mehr als 150.000 km auf dem Buckel.

Die Polizeigewerkschaften drohen nun mit einem Streik, falls die Minister (für Inneres und für Verkehr) nicht auf ihre Forderungen eingehen, um das Sicherheitsniveau in Zaventem zu erhöhen. Und ein Streik erleichtere die Wiedereröffnung des Flughafens wohl kaum, heißt es noch entschieden in dem Brief.