Türkischer Präsident sauer auf Belgien und die Niederlande

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat am Donnerstag im Fernsehsender CNN gesagt, dass die westlichen Staaten dem Anliegen der Türken beim Informationsaustausch im Kampf gegen den Terrorismus keine Rechnung getragen hätten. Erneut kritisierte er Belgien und die Niederlande scharf. "Weder die Niederlande, noch Belgien scheinen begriffen zu haben, für was sich die Dschihadisten stark machen."

"Wir haben dazu aufgerufen, gemeinsam gegen den Terrorismus vorzugehen, aber viele europäische Länder scheinen an diesem Aufruf zum Handeln nicht ausreichend interessiert zu sein", erklärte Erdogan. "Wir werden von ihnen im Stich gelassen. Unsere Erwartungen hinsichtlich des Informationsaustausches sind in keinster Weise erfüllt worden", so das türkische Staatsoberhaupt. Erdogan ist zum Atomgipfel gereist und hält sich derzeit in den Vereinigten Staaten auf.

Erdogan hatte vergangene Woche die belgischen Behörden kritisiert, nicht angemessen auf die türkischen Informationen über die Ausweisung von Ibrahim El Bakraoui, der sich am 22. März auf dem Flughafen von Zaventem in die Luft sprengte, reagiert zu haben. 

El Bakraoui war im Juni letzten Jahres in der Nähe der türkisch-syrischen Grenze festgenommen worden und im Juli in ein Flugzeug in Richtung Niederlande gesetzt worden. Dort konnte er ungehindert den Flughafen verlassen.

Die niederländische Regierung behauptet, dass El Bakraoui den Ordnungsdiensten nicht bekannt gewesen sei und nicht auf der Liste verdächtiger Personen gestanden habe. Die belgische Regierung räumte ein, dass ein Teil der Informationen nicht rechtzeitig weitergegeben worden sei, wies aber auch daraufhin, dass die Information aus der Türkei über die Ausweigsung von El Bakraoui spät erfolgt und undeutlich gewesen sei.

Die Türkei hat lange Zeit als wichtiger Bündnispartner des Westens gegolten, aber der Konflikt in Syrien führt zunehmend zu Spannungen in den Beziehungen. So erwarten die Vereinigten Staaten mehr türkisches Engagement im Kampf gegen den IS, die Türken werfen dem Westen wiederum vor, die kurdischen Kämpfer zu unterstützen, die sie als Staatsfeinde betrachten.