Asylrecht in Belgien vs. Kinderehen

Die Flüchtlingskrise und die Aufnahme von Asylsuchern in Belgien birgt ein weiteres Problem: In einigen Aufnahmezentren sind junge Mädchen aufgetaucht, die bereits mit älteren Männern verheiratet sind. Da Kinderehen in Belgien verboten sind, wurden diese Paare getrennt. Ein 15 Jahre altes Mädchen befand sich aber seit Anfang März in Hungerstreik, weil es mit ihrem 18 Jahre alten Ehemann nicht zusammenleben darf.

Partner von Kinderehen dürfen sich in Belgien lediglich außerhalb ihrer Auffangzentren oder Flüchtlinge-Notunterkünfte sehen. Ihnen ist nach belgischem Recht untersagt, zusammenzuwohnen. In Belgien sind einige dieser Kinderehen bekannt. Dabei handelt es sich um Minderjährige, d.h. um Mädchen unter 18 Jahren, die mit teils wesentlich älteren Männern verheiratet wurden.

Belgiens Staatssekretär für Asyl und Einwanderung, Theo Francken (N-VA - kl. Foto), ist formell. Gegenüber den flämischen Tageszeitungen De Morgen und Het Laatste Nieuws sagte er: „Kinderehen verstoßen gegen unsere Prinzipien.“ Doch der Hungerstreik eines 15 Jahre alten Mädchens aus Syrien ging dem Staatssekretär offenbar nahe. Seit Anfang März verweigerte das Mädchen jede Nahrung, weil es mit ihrem 18 Jahre alten Ehemann nicht zusammenwohnen darf.

„Das beschäftigt mich. Ich möchte nicht, dass ihr etwas passiert. Eine medizinische Untersuchung Anfang der Woche verlief gut. Ich will aber nicht an Kinderehen mitarbeiten. Die beiden dürfen sich aber sehen und miteinander telefonieren.“, so Francken dazu weiter. Das Problem liegt an der unterschiedlichen gesetzlichen Lage in Belgien und in jenen Ländern, aus denen die Flüchtlinge hierherkommen.

In Belgien muss man 18 Jahre alt sein, um heiraten zu können. In Syrien ermöglicht ein Gesetz aus dem Familienrecht eine Heirat für Kinder ab dem Alter von 13 Jahren, wenn diese „physisch erwachsen sind.“ Staatssekretär Francken gab dazu gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion an, den beiden jungen Syrern „maximal“ entgegenkommen zu wollen. Doch erst müsse das Mädchen den Hungerstreik beenden.

Diesem Aufruf schenkte die 15jährige Glauben. Am Freitagnachmittag wurde bekannt, dass das es den Hungerstreik aufgegeben habe und sich zu Gesprächen mit ihrem Mann und den Flüchtlingsbehörden einverstanden erklärt.