LKW-Maut - Chaotischer Start am ersten Tag

Seit Mitternacht müssen alle Lastwagen über 3,5 Tonnen für die Nutzung von Schnellstraßen und Autobahnen in Belgien eine Maut entrichten. Doch die Einführung dieser LKW-Maut verläuft am ersten Geltungstag problematisch. Im belgischen Bundesland Wallonien protestieren die Trucker und an der niederländischen Grenze entstehen lange Staus an den Meldestellen.

In der Nähe von drei Autobahn-Grenzübergängen zu den Niederlanden haben sich am Freitagmorgen lange Warteschlangen von Lastwagen gebildet. Dort warten jene Trucker, die noch keine On-Board-Unit in ihrem LKW haben, auf den Erwerb eines solchen Gerätes.

Das ist der Fall an der so genannten Transportzone von Meer (E19 - Foto oben) und an den früheren Zollstellen in Mol-Postel (E34) und Maasmechelen (E314). Auch in Rekkem, an der belgisch-französischen Grenze, stauen sich die Lastwagen und hier wurde Protest gegen die Maut laut.

Seit Monaten hatten die Transportunternehmen und die LKW-Fahrer die Möglichkeit, On-Board-Units online zu erwerben, doch davon machte nicht jeder Gebrauch.

Verschiedener Orts wurden die On-Board-Units allerdings am Freitagmorgen, Stichtag 1. April, zu spät angeliefert und einige Automaten an den Mautstellen, an denen die Geräte angemeldet werden können, funktionierten nicht. Das wiederum sorgte für weitere Probleme.

Proteste in Wallonien

Im belgischen Bundesland Wallonien sorgen Proteste und Blockaden von Lastwagenfahrern gegen die Maut für Probleme. Hier wurden am Freitagmorgen mehrere Autobahnkreuze (in Herstal (Lüttich), Bastogne (Prov. Luxemburg) und Courcelles (Prov. Hennegau)) blockiert und an der Autobahn E411 bei Achêne (Namür) wurde die Fahrbahn zeitweise blockiert.

Die Trucker fordern einen Aufschub der Einführung der LKW-Maut, denn ihrer Ansicht nach bedeutet dies negative wirtschaftliche Auswirkungen und weiter Sozialdumping von ausländischen Fahrern. Die Transportbranche gibt an, dass sie dadurch weiter unter Druck zu stehen habe. Eine Delegation der wallonischen Trucker traf sich am Freitag zu einem entsprechenden Gespräch mit dem dort zuständigen regionalen Haushaltsminister Christophe Lacroix (PS).

Transportverband: "Völliger Reinfall"

Febetra, der Dachverband der belgischen Transportunternehmen, hält den Start der LKW-Maut in unserem Land für einen Reinfall, „der den Sektor jede Menge Geld kostet.“ Nach Ansicht des Verbandes funktionieren viele der On-Board-Units nicht wirklich und die Callcenter, die die dazu notwendige Information liefern sollen, seien noch nicht operationell. Zudem seien Servicepunkte an den Grenzübergängen noch nicht eingerichtet oder verfügten nicht ausreichend über On-Board-Units.

Febetra fordert von den verschiedenen beteiligten Mobilitäts-Ministerien in den Ländern und Regionen Sofortmaßnahmen zur Beseitigung diese Chaos. Inzwischen kündigt sich auch Protest von Seiten der niederländischen Behörden gegen die Handhabe der LKW-Maut in Belgien an.

"Alle wussten vorher Bescheid"

Flanderns Landesverkehrsminister Ben Weyts (N-VA) akzeptiert die Kritik der Trucker und des Transportverbandes Febetra nicht. Er sagt, dass die Einfuhr der LKW-Maut in Belgien seit langem bekannt sei und dass alle Beteiligten sowohl im In- als auch im Ausland davon auf der Höhe waren.

Viele Lastwagenfahrer hätten wohl gedacht, die Einfuhr der Maut werde verschoben ,und hätten sich deshalb nicht bemüht, so der Minister. Auch von flächendeckenden technischen Problemen will Weyts nichts wissen: „In 0,4 % der Fälle liegt ein technischer Defekt vor und die Besetzung der Callcenter wurde bereits verdoppelt, damit wir alle Fragen beantworten können.“

Die LKW-Maut

Die LKW-Maut in Belgien wird unterschiedlich berechnet. Zum einen hängt die Höhe der Gebühr von der jeweiligen Region ab und danach werden auch die Straßentypen unterschiedlich berechnet (Autobahnen, Autobahnringe oder Schnellstraßen).

Im belgischen Bundesland Flandern gilt ein Tarif von 0,074 € pro Kilometer für einen leichten LKW neuerer Generation mit wenig Schadstoffausstoß bis hin 0,292 € pro Kilometer für einen Schwerlaster mit umweltschädlichen abgasen auf Autobahnen.

Für eine „On Board Unit“ berechnet ViaPass, dass Unternehmen, das sowohl für den Vertrieb der OBU als auch für die Kontrolle und Berechnung der Kilometer-Maut zuständig ist, eine Kaution über 135 €.

 

"Bitte recht freundlich"

ViaPass ruft alle ausländischen LKW-Fahrer, die bereits eine On-Board-Unit in ihrem Truck eingebaut haben, beim ersten Grenzübertritt nach Belgien kurz einen freundlichen Gesichtsausdruck an den Tag zu legen. Die Maut-Kameras an den Grenzen müssen die Trucker zwecks Registrierung fotografieren. Dazu nutzt das Unternehmen auch Blitzen und Starenkästen im Inland. Die Fotos der Trucker werden aber strickt unternehmensintern behandelt und geraten nicht an die Öffentlichkeit.