Smartphones und Urlaub aber keine Sozialwahlen

Beim Arbeitsvermittler Accent Jobs finden in diesem Jahr keine Sozialwahlen statt. Nach Angaben des Unternehmen aus Roeselare in Westflandern hat sich keiner aus dem Personal für eine Kandidatur gemeldet. Das ist kaum verwunderlich, hatte Accent Jobs doch attraktive Einwände gegen eine solche Kandidatur.

Vor einigen Wochen geriet Accent Jobs in die Schlagzeilen in Belgien, nachdem bekannt wurde, dass der Zeitarbeitsvermittler Mitarbeitern von einer Kandidatur für die Sozialwahlen abrate. Das tat das Unternehmen aber nicht ausdrücklich verbal sondern mit Geschenken. Kandidaten, die von einer Möglichkeit, an den Sozialwahlen aktiv teilzunehmen, keinen Gebrauch machen, erhalten im Gegenzug ein Smartphone und einen zusätzlichen Urlaubstag.

Noch nie gab es bei Accent Jobs Sozialwahlen und auch dieses Jahr wird dies zum Ärger der Gewerkschaften wieder so sein, denn alle Mitarbeiter des Unternehmens haben sich für Urlaub und Smartphone entschieden. Accent Jobs teilt in einer Pressemitteilung mit, dass man alle gesetzlichen Prozeduren rund um die Organisation von Sozialwahlen respektiert und befolgt habe: „Alle Mitarbeiter hatten die Möglichkeit, zu kandidieren.“

Jetzt teilt Accent Jobs aber auch mit, dass die Belegschaft mit der versprochenen Belohnung rechnen könne: „Das freigekommene Geld, das ursprünglich für die Sozialwahlen vorgesehen war, werden wir in unsere Strategie und in unsere Mitarbeiter investieren. Dies in Form von Smartphones und einen Urlaubstag.“

Die Gewerkschaften protestierten vehement gegen die Vorgehensweise von Accent Jobs, sind jedoch rechtlich machtlos. Vor einiger Zeit hatte sich die liberale Gewerkschaft ACLVB noch stark gemacht, indem sie mitteilte, auch hier Kandidaten für die Sozialwahlen aufzustellen. Doch hier waren Urlaubstage und Smartphones wohl die stärkeren Argumente.

Sozialwahlen

Die Sozialwahlen in Belgien finden dieses Jahr zwischen dem 9. und dem 22. Mai statt. Das Verfahren zu diesen Sozialwahlen begann bereits Anfang Dezember 2015 und braucht eine gesetzliche Vorlauf- und Kandidatur-Phase von mindestens 150 Tagen. Unternehmen in Belgien, die mindestens 50 Mitarbeiter beschäftigen, sind laut hiesigen Arbeitsrecht dazu verpflichtet, Sozialwahlen zu organisieren. Kandidaten aus den Belegschaften der Unternehmen können sich für zwei Gremien innerhalb ihrer Unternehmen bewerben. Das sind ein Ausschuss für Gefahrenverhütung und Arbeitsschutz, sowie ein Betriebsrat für Unternehmen ab 100 Beschäftigten.