Die Proteste gegen die LKW-Maut ebben ab

Die Proteste und Blockaden gegen die seit dem 1. April auf Belgiens Autobahnen und Schnellstraßen geltende LKW-Maut in Wallonien ebben ab. Am Samstagmorgen protestierten noch einige Trucker an der E411 bei Achêne (Foto), an der E19 in Hensies und an der N97 in Onhaye. Doch ab Sonntagabend soll es zu neuen Blockaden kommen. Inzwischen suchen einige Lastwagenchauffeure nach Schleichwegen, um der Maut zu entgehen.

Viele LKW-Fahrer und Transportunternehmen im belgischen Bundesland Wallonien wollen sich die regional unterschiedlich eingeführte LKW-Maut nicht bieten lassen.

Obschon es im Vorlauf dieser Maut-Erhebung, die bereits seit Jahren angekündigt wurde und Mitte 2015 definitiv beschlossen wurde, zu keinen Protesten kam, sind die Trucker dort sauer.

Nicht die Tatsache, dass die Umsetzung der Maut am ersten Tag etwas chaotisch verlaufen war, sorgte für die Proteste und die ablehnende Haltung in Wallonien, sondern eher die wirtschaftliche Lage, des dort auch von Billig-Konkurrenz aus Osteuropa unter Druck stehenden Sektors.

Ein wallonischer Trucker gab am Samstagmorgen gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion an, seine Gebühren und Abgaben würden durch die Maut von monatlich derzeit 1.200 € auf mehr als 1.500 € steigen.

Technische Probleme gelöst?

Nach Angaben des Transportsektors liegen auch am Samstag noch Probleme mit der Aktivierung von gerade erworbenen On-Board-Units (die die gefahrenen Kilometer erfassen und die entsprechenden Gebühren berechnen) vor, doch die Zahl der technischen Pannen ging deutlich zurück.

ViaPass, der Betreiber des belgischen LKW-Mautsystems, hielt am Freitagabend eine Manöverkritik ab und stellte dabei statistisch fest, dass am ersten Maut-Tag rund 137.000 LKW mit belgientauglichen On-Board-Units ausgerüstet und erfasst seien. Ob bereits Trucker mit unbezahlten Kilometern aufgefallen sind, teilte das Unternehmen nicht mit. Doch wurde ViaPass bei Satellic (dieses Unternehmens stellt die OBUs her) vorstellig, um dort die Lieferung von technisch einwandfreien Geräten zu fordern.

Schleichwege?

Laut Vermutungen des belgischen Transportverbandes Febetra können Lastwagenfahrer der Maut entgehen, in dem sie nach Schleichwegen suchen, die parallel zu den gebührenpflichtigen Verkehrsachsen verlaufen. Zwar würden die Maut-Kameras alle Nummernschilder der Trucks erfassen, doch seien die eingespeicherten Daten im Mautzentrum in Brüssel nicht mit ausländischen Datenbanken verbunden. Dadurch können schummelnde Unternehmer aus dem Ausland die Gebühren „umfahren“.

Die Agentur für Wege und Verkehr (AWV) des belgischen Bundeslandes Flandern hat sich allerdings auf solche Fälle vorbereitet und eine Liste der möglichen Parallelstraßen und Bypässe angelegt. Hier soll verstärkt kontrolliert werden. Probemessungen und entsprechende Vergleiche mit anderen dahingehend erfassten Daten werden in Zukunft dazu verwendet, effektiv an neuralgischen Punkten gegen „Falschfahrer“ unter den Truckern vorzugehen, wie aus dem Landesverkehrsministerium verlautete.