Trotz Demoverbot: Krawalle in Molenbeek

Trotz eines für ganz Brüssel geltendes Demonstrationsverbots ist es im Stadtteil Molenbeek und am Börsenplatz in der Innenstadt am Samstag zu Krawallen gekommen. Dabei wurden dutzende Beteiligte festgenommen. Die Polizei konnte verhindern, dass linke und rechte Demonstranten aufeinandertreffen konnten und sie vermied weitgehend Konflikte zwischen Bewohnern von Molenbeek und Rechtsradikalen.

Phasenweise herrschte am Samstag eine gespannte Atmosphäre in Molenbeek. Ursprünglich hatten sich Mitglieder rechtsgerichteter Gruppen in dem Brüsseler Problemviertel angekündigt, um gegen den Islamismus zu demonstrieren.

Nach den Krawallen vom vergangenen Sonntag, als hunderte Hooligans an der Gedenkstelle für die Opfer der Anschläge vom 22. März randalierten, hatten die Brüsseler Behörden für dieses Wochenende ein vollständiges Demonstrationsverbot für das Stadtgebiet erlassen.

Daraufhin verzichteten die Organisatoren der geplanten Demo in Molenbeek - eine Rechtsradikale und ausdrücklich islamfeindliche Gruppierung auf Frankreich - unter Protest auf ihr Kommen. Allerdings hatten sich trotzdem rechte Demonstranten in das Viertel begeben.

Sie hatten sich in Dilbeek am Brüsseler Rand in Flämisch-Brabant getroffen und waren von dort aus nach Molenbeek gegangen. Dort allerdings wurden sie von einem massiven Polizeiaufgebot erwartet.

Trotzdem kam es vereinzelt zu Konflikten zwischen Demonstranten und Polizisten und auch zwischen Protestierenden und Anwohnern von Molenbeek. Dabei wurden mehrere Personen verhaftet. Zwischendurch bewarfen Jugendliche in Molenbeek auch Vertreter der internationalen Presse mit Flaschen und Steinen.

Am Rande der Tumulte kam es zudem zu einem ernsteren Zwischenfall, als ein Auto zunächst eine Polizeisperre durchbrach und danach eine Frau angefahren hatte (Foto). Die Frau musste schwerverletzt in ein Krankenhaus gebracht werden. Der Wagen, der von TV-Teams gefilmt wurde, raste daraufhin weg. Kurz danach fand die Polizei den Wagen. Der Fahrer konnte flüchten, doch ein Insasse wurde festgenommen.

Derweil vor der Brüsseler Börse

Während der Krawalle in Molenbeek hatten sich vor der Gedenkstätte für die Opfer der Brüsseler Anschläge linke Gegendemonstranten versammelt, die dort gegen Hass und Rassismus protestieren wollten. Doch diese Proteste wurden im Keim von der Polizei erstickt.

Da das allgemeine Brüsseler Demonstrationsverbot für das gesamte Stadtgebiet und für alle Arten von Demonstrationen galt, löste die auch hier massiv angetretene Polizei die Veranstaltung mit harter Hand auf.

Einer der ersten Verhafteten war Alexis Deswaef, der Vorsitzende der frankophonen Liga für Menschenrechte in Belgien. Er wurde nach eigenen Angaben kurz nach seinem dortigen Ankommen aufgefordert, wieder zu gehen, hielt sich aber nicht daran. Daraufhin wurde er in Handschellen abgeführt. Ihn und seine Mitstreiter erwartet jetzt eine so genannte „kommunale Verwaltungsstrafe“ in Form eines Bußgeldes wegen Störung der öffentlichen Ordnung.

Insgesamt nahm die Brüsseler Polizei am Samstag mehr als 100 Personen in Gewahrsam, ließ die meisten von ihnen aber nach Feststellung der Personalien wieder laufen. Am Abend kehrte wieder Ruhe in Molenbeek und im Brüsseler Stadtzentrum ein.