“Panama Papers”: 732 belgische Namen

214.000 Briefkastenfirmen sind nach Recherchen internationaler Medien im Steuerparadies Panama aufgeflogen. Diese wurden von internationalen Spitzenpolitikern, Geschäftsleuten, Medienstars und Sportlern genutzt. In den „Panama Papers“ tauchen auch die Namen von 732 Belgiern oder in Belgien lebenden Personen auf.

Erneut bringen Medienrecherchen an den Tag, dass Reiche und Superreiche ihr Geld vor allem vor dem Finanzamt verstecken. Diesmal ist es das Unternehmen Mossack Fonseca mit Sitz in Panama. Die Firma gehört zu den Top-5 der Dienstleister, die aktiv sind im Bereich der Offshore-Firmen, also der internationalen Briefkastenfirmen. Die neuen Enthüllungen gehen noch viel weiter als die SwissLeaks und die LuxLeaks.

Vor rund einem Jahr bekam das ‚Internationale Konsortium der Enthüllungsjournalisten‘ (ICIJ, ‚International Consortium of Investigative Journalists‘) und die ‚Süddeutsche Zeitung‘ eine enorme Datenmenge zugespielt. Die vertraulichen Dokumente betreffen Kunden von Mossack Fonseca, für die Briefkastenfirmen gegründet wurden.

Die internationale Liste ist lang. Sie enthält allein 72 Staats- und Regierungschefs, von denen zwölf immer noch im Amt sind. Insgesamt geht es um Finanzgeschäfte mithilfe von über 214.000 fiktiven Adressen in einem Steuerparadies. Aufgelistet werden auch 29 Milliardäre, die zu den 500 reichsten Menschen der Welt gehören.

Belgische Connection

Den belgischen Teil dieser "Panama Papers" haben die Börsenzeitung ‚De Tijd‘, die Brüsseler Zeitung ‚Le Soir‘, das flämische Nachrichtenmagazin ‚Knack‘ und die Zeitschrift MO* ausgewertet. Demnach werden in den Kundenlisten von Mossack Fonseca 732 Belgier oder in Belgien wohnende Ausländer geführt.

Ein Name wurde inzwischen schon freigegeben: Franco Dragone, der Gründer des international berühmten wallonischen Entertainmentfirma „Cirque du Soleil“. Gegen den Mann läuft bereits ein Ermittlungsverfahren wegen Steuerhinterziehung und Geldwäsche.

Die meisten der gelisteten Belgier stammen aus Brüssel und Antwerpen. Die meisten von ihnen seien Menschen, die der breiten Öffentlichkeit nicht bekannt sind, heißt es in den Berichten. Für die nächsten Tage werden weitere aufsehenerregende Enthüllungen angekündigt.

Unter den Namen sind aber nicht nur superreiche Belgier, sondern auch Ärzte, Zahnärzte und sogar ein Markthändler.

Das Blatt erinnert daran, dass sich das Gesamtvolumen der Steuerhinterziehung in Belgien nach Schätzungen auf 1,2 Milliarden Euro pro Jahr beläuft. Wenn Offshore- oder Briefkastenfirmen zu diesem Zweck gegründet werden, ist das strafbar. Die Gründung von Briefkastenfirmen ist an sich legal. Sie werden aber oft genutzt, um Vermögen vor dem Finanzamt zu verstecken oder Gelder zu "waschen".

Finanzminister Van Overtveldt hat die Finanzinspektion mit Ermittlungen beauftragt. Auch die Staatsanwaltschaft in Panama hat Ermittlungen eingeleitet, wie die Behörde am Montagmorgen mitteilte. „Dieser Fall belegt erneut, dass dringend internationale Initiativen notwendig sind, um die Steuerparadiese unter Kontrolle zu bekommen“, so der Minister. Er betont, Belgien werde sich hieran energisch beteiligen.