"Panama Papers": Weitere belgische Namen bekannt

Mindestens sechs der reichsten Unternehmerfamilien aus Belgien werden in den „Panama Papers“ genannt. Diese Liste führt rund tausende Personen auf, die z.B. über Briefkastenfirmen auf den Jungferninseln in der Karibik Steuern hinterziehen. Zu den Medien, die dabei halten, die „Panama Papers“ zu entziffern, gehörten die belgischen Magazine Knack und MO* sowie die Tageszeitungen Te Tijd und Le Soir.

Neben dem belgisch-italienischen Cirque du Soleil-Gründer Franco Dragone (kl. Foto) und der Familie de Spoelberch, die Hauptanteilseigner des belgisch-brasilianischen Brauereigiganten AB InBev, sind weitere Namen von hiesigen Familien und Unternehmern bekannt geworden, die über Briefkastenfirmen in Steuerparadiesen dem belgischen Staat Einnahmen vorenthalten haben.

Zu ihnen gehören nach Meldung verschiedenster Medien auch die Unternehmerfamilien Saverys (Stevia One, früher Werfteigner in Temse), Van Den Broeke (Eres), De Cloedt (Baggerunternehmen), Kandiyoti (Chemitex) und Sweden (früher Vandemoortele-Soßen, heute Baustoffe).

Nach Angaben von Knack, MO*, De Tijd und Le Soir soll auch mindestens ein belgischer Politiker ein Offshore-Unternehmen in der Südsee gegründet haben, um sein Geld am Fiskus vorbei zu schleusen. Wer dies sein könnte, ist noch nicht bekannt. Insgesamt sollen mehr als 700 Unternehmen oder Privatpersonen aus unserem Land über derartige Konstruktionen Steuern hinterziehen.

Politik und Verbände reagieren

Belgiens Bundesfinanzminister Johan Van Overtveldt (N-VA) drohte inzwischen mit Konsequenzen. Er gab der hiesigen Steuerfahndung den Auftrag, hier scharf zu ermitteln. Finanzfachleute und Steuerexperten sind solchen Verfahren gegenüber sehr skeptisch: Die meisten Reichen in unserem Lande würden Mittel und Wege finden, um ihre Finanzkonzepte über Steueroasen gesetzeskonform darzustellen und, wie schon oft erlebt, straffrei davonkommen, so die einhellige Ansicht von Beobachtern.

Der Unternehmerverband Unizo, der sowohl flämische als auch Brüsseler Unternehmen vertritt, zeigte sich hingegen zutiefst beunruhigt darüber, dass es möglicherweise in so großem Umfang Steuerhinterziehung über abenteuerliche Finanzkonstruktionen von belgischen Unternehmen geben soll. Steuerhinterziehung sei eine unehrliche Konkurrenz gegenüber der großen Mehrheit der legal hier vorgehenden Firmen, so Unizo-Vorstand Karel Van Eetveld (kl. Foto) gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion:

„Darunter ist nur eine beschränkte Anzahl an Selbständigen. Ich glaube nur einige Promille unter der Gesamtzahl der Unternehmer. Ich finde das im Sinne des Wettbewerbs gegenüber den 99,9 % der anderen Unternehmer unehrlich. Das sind Sachen, die ich nicht akzeptieren kann. Ich kann aber auch das Bild nicht akzeptieren, nach dem dies eine Praxis ‚der Unternehmer‘ sein soll. Das stimmt so nicht.“