"Ein Drittel weniger Umsatz seit den Anschlägen"

Mittelstand, Einzelhandel und Gastronomie in Brüssel haben seit den Terroranschlägen vom 22. März rund 30 % ihres Umsatzes und mehr eingebüßt. Dies teilten der Unternehmerverband Unizo und der Gastronomieverband Horeca Flandern mit. Auch zwei Wochen nach den Attentaten auf den Flughafen in Zaventem und die Brüsseler U-Bahn-Station Maalbeek zeige sich noch keine Erholung, so die Betroffenen.

Das Gaststätten-, Restaurant- und Hotelgewerbe ist am stärksten betroffen, wie Horeca-Sprecher Danny Van Assche gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion angab: „Die Gastronomie wurde gleich dreimal getroffen: Am Tag der Anschläge kamen viele Annullierungen. Das hielt auch an den Tagen danach an und jetzt zeigt sich, dass keine neuen Buchungen oder Reservierungen hinzukommen. In dieser Hinsicht glaube ich, ist unser Sektor vergleichsweise schwerer getroffen.“

Diese Umsatzverluste scheinen sich nicht nur auf Brüssel und auf das direkte Umland der Hauptstadt zu beschränken. Horeca Flandern stellt fest, dass sich ein ähnlicher Trend bis hin in die Provinzen Westflandern und Limburg auswirkt: „Vor allem bei Buchungen aus dem Ausland wird kein Unterschied zwischen der Hauptstadt Brüssel und dem Rest des Landes gemacht. Wenn amerikanische oder japanische Unternehmen beschließen, keine Reisen mehr anzubieten, dann machen sie das für das ganze Land und nicht nur für Brüssel.“

Inzwischen macht jedes sechste Unternehmen Gebrauch vom System der Kurzarbeit durch technische Arbeitslosigkeit (siehe nebenstehenden Beitrag). Unizo und Horeca Flandern drängen auf eine umfassende Image-Kampagne, um unserm Land wieder zu einem besseren Ansehen im Ausland zu verhelfen.

Auch Kunst und Kultur leiden

Unter Umsatzverlusten seit den Anschlägen vom 22. März leiden nicht nur Wirtschaft und Gastronomie. Auch der Kultursektor spürt einen drastischen Rückgang an Besuchern und Zuschauern. Die den Brüsseler Museen wurden viele Führungen und Besuche von ausländischen Touristen abgesagt und es besuchen auch deutlich weniger Menschen diese Institutionen spontan.

Noch stärker ist der Veranstaltungssektor betroffen. Konzertsäle, wie der Rocktempel AB (Ançienne Belgique) in der Nähe der Brüsseler Börse oder das Botanique (Konzertsaal im früheren botanischen Garten unweit des Brüsseler Nordbahnhofs) verkaufen nur noch etwa die Hälfte der Eintrittskarten für Auftritte, wie vor den Anschlägen.

Diese und ähnliche Einrichtungen, wie die Oper oder das Bozar, können sich noch eine Zeit lang mit Zuschüssen über Wasser halten. Privatwirtschaftliche Konzertveranstalter müssen finanziell herbe Rückschläge verkraften.

Inzwischen hagelt es auch Absagen von Künstlern von Konzerten in Brüssel. Einige Superstars wollen nicht mehr hierher kommen und andere verlangen Sicherheitsmaßnahmen um ihre Person herum, die sich kaum ein Veranstalter noch leisten kann…