Panama Papers: Auch Ex-Manager Bellens dabei

Auch der frühere und mittlerweile verstorbene CEO des belgischen Telekom-Multis Belgacom - heute Proximus, Didier Bellens (Foto), taucht in den so genannten „Panama Papers“ auf. Die an den Recherchen beteiligten belgischen Medien fanden heraus, dass er aktiv an mehreren Finanz-Holdings, die auf den britischen Jungferninseln gemeldet waren, beteiligt war.

Zwischen Juni 2007 und Juni 2015 war der inzwischen verstorbene frühere Belgacom-CEO Didier Bellens einer der Direktoren von Calpe Investment Limited, einer Gesellschaft auf den britischen Jungferninseln.

Das Unternehmen, eine Aktien- und Investment-Holding, wurde mit der Hilfe eines Beraters aus Gibraltar (auch ein Steuerparadies) gegründet.

Diese Holding war offenbar eine Scheinfirma für Investitionen, die von Belgien und von der Schweiz ausgingen. Calpe Investment Limited bestand auf den Jungferninseln nur auf Papier und hatte als Adresse die dortige Kanzlei Mossack Fonseca.

Didier Bellens hatte dieses Unternehmen gemeinsam mit einigen in Belgien als verdächtig geltenden Geschäftsleuten betrieben, unter anderem mit dem italienischen Vermögensverwalter Giovanni Paganini. Dieser hatte sich Ende 2012 das Leben genommen, als herauskam, dass er 120 Mio. € seiner Kunden in dunklen Kanälen hatte verschwinden lassen.

AP2012

Umstrittener Telekom-Boss

Didier Bellens leitete zwischen 2003 und 2013 die halbstaatliche belgische Belgacom (heute Proximus) und machte aus dem jahrelangen faktischen staatlichen Monopolisten ein modernes Telekom- und Medien-Unternehmen. Doch in den letzten Jahren seiner Tätigkeit dort kam es mehr und mehr zu Konflikten mit der belgischen Bundesregierung, also quasi mit seinen Chefs. 2013 kam es zum Eklat, als sich Didier Bellens beleidigend über den damaligen Premierminister Elio Di Rupo (PS) ausgelassen hatte und er wurde entlassen.

Bellens war bereits seit vier Jahren bei Belgacom im Amt, als er die Direktion von Calpe Investment Limited übernahm. Doch dies war bis jetzt niemandem bekannt. Bei Proximus gab ein Sprecher zum Fall Bellens bekannt, dass der Telekom-Multi von den „nebenberuflichen Aktivitäten“ ihres ehemaligen CEOs nicht unterrichtet war. Didier Bellens verstarb Ende Februar dieses Jahres an den Folgen eines Hirntumors im Alter von 60 Jahren.

700 Belgier

Die an den Recherchen des International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) zu den Tätigkeiten von tausenden Personen und Scheinfirmen im Steuerparadies auf den Jungferninseln und anderswo beteiligten belgischen Medien (De Tijd, Knack, Mo* und Le Soir) führen auch einige Franzosen auf, die in Belgien leben und ihr hier erworbenes Vermögen steuerfrei über Scheinfirmen vermehrten.

Darunter sind die international bekannten Unternehmer Alex Bongrain, Waldemar Kita und Jean-Denis Sarraquigne. Insgesamt führen die Panama Papers mehr als 700 Belgier oder in Belgien lebende und wirkende Ausländer auf, die dem hiesigen Staat Steuern in noch unbekannter Höhe vorenthalten haben.